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Dachs

Handtherapie nach Sehnenverletzungen

Sehnenverletzungen an der Hand gehören zu den häufigsten Verletzungen im Alltag und können durch Schnitte, Quetschungen oder Überlastung entstehen. Die feinen Strukturen der Hand sind dabei besonders anfällig: Schon kleine Verletzungen können die Beweglichkeit erheblich einschränken. Nach einer Sehnenoperation oder -verletzung ist eine gezielte Handtherapie entscheidend, um die volle Funktion der Hand wiederherzustellen und Komplikationen zu vermeiden.

Warum Handtherapie so wichtig ist

Die Hand ist ein hochkomplexes Gebilde aus Knochen, Sehnen, Bändern, Muskeln und Nerven. Sehnen übertragen die Kraft der Unterarmmuskulatur auf die Finger und ermöglichen so präzise Bewegungen. Nach einer Sehnenverletzung oder -operation neigen Sehnen dazu, mit dem umliegenden Gewebe zu verkleben. Diese Verwachsungen können die Gleitfähigkeit der Sehne dauerhaft beeinträchtigen und zu einer steifen, unbeweglich Hand führen.

Früher wurden verletzte Hände nach Sehnenoperationen oft wochenlang ruhiggestellt. Heute weiß man, dass kontrollierte Bewegung bereits kurz nach dem Eingriff wichtig ist. Die moderne Handtherapie setzt deshalb auf frühe, dosierte Mobilisation unter fachkundiger Anleitung. So lässt sich die Sehne optimal heilen, ohne dass problematische Verklebungen entstehen. Gleichzeitig werden Muskeln und Gelenke von Anfang an mittrainiert.

Phasen der Handtherapie

Die Handtherapie nach Sehnenverletzungen verläuft in mehreren aufeinander aufbauenden Phasen. Jede Phase hat spezifische Ziele und erfordert unterschiedliche Übungen. Der genaue Ablauf richtet sich nach Art und Schwere der Verletzung sowie nach der angewendeten Operationsmethode.

Frühphase: Schutz und kontrollierte Bewegung

In den ersten Wochen nach der Operation oder Verletzung steht der Schutz der heilenden Sehne im Vordergrund. Dennoch beginnt die Therapie oft schon wenige Tage nach dem Eingriff. Die Hand wird dabei in einer speziellen Schiene gelagert, die die Sehne entlastet. Unter Anleitung des Therapeuten werden vorsichtige passive Bewegungen durchgeführt, bei denen die Finger bewegt werden, ohne dass der Patient selbst Kraft aufwendet.

Diese frühe Mobilisation verhindert Verklebungen und fördert die Durchblutung, was die Heilung beschleunigt. Gleichzeitig lernt der Patient, welche Bewegungen erlaubt sind und welche die Sehne überlasten würden. Die Therapie findet in dieser Phase meist zwei- bis dreimal pro Woche statt. Zwischen den Terminen trägt der Patient die Schiene und führt einfache Übungen selbstständig zu Hause durch.

Mobilisierungsphase: Kraft und Beweglichkeit aufbauen

Nach etwa vier bis sechs Wochen, wenn die Sehne ausreichend verheilt ist, beginnt die aktive Mobilisierung. Jetzt darf der Patient die Finger zunehmend selbst bewegen und dabei leichten Widerstand überwinden. Die Schiene wird schrittweise reduziert oder nur noch nachts getragen. In dieser Phase geht es darum, die Beweglichkeit systematisch zu verbessern und die geschwächte Muskulatur wieder aufzubauen.

Der Therapeut setzt verschiedene Techniken ein, um Verklebungen zu lösen und die Gleitfähigkeit der Sehne zu fördern. Dazu gehören manuelle Mobilisationen, Narbenmassagen und spezielle Dehnübungen. Auch Wärme- oder Kälteanwendungen können zum Einsatz kommen. Die Übungen werden kontinuierlich anspruchsvoller, bleiben aber stets im sicheren Bereich für die heilende Sehne.

Funktionelle Phase: Rückkehr in den Alltag

Ab etwa der achten Woche konzentriert sich die Therapie auf alltagsnahe Bewegungen und Belastungen. Die Hand soll nun wieder für berufliche und private Tätigkeiten fit werden. Krafttraining spielt jetzt eine wichtige Rolle, ebenso wie die Feinmotorik und Koordination. Der Therapeut simuliert typische Handgriffe und Bewegungsabläufe, die der Patient im Alltag benötigt.

Wichtige Therapieziele in dieser Phase sind:

  • Wiederherstellung der Greifkraft und Feinmotorik
  • Training alltagsrelevanter Bewegungen wie Schreiben, Kochen oder handwerkliche Tätigkeiten
  • Verbesserung der Ausdauer bei wiederholten Bewegungen
  • Desensibilisierung überempfindlicher Narben

Methoden und Techniken der Handtherapie

Die Handtherapie nutzt ein breites Spektrum an Behandlungsmethoden. Neben aktiven und passiven Bewegungsübungen kommen verschiedene physikalische Anwendungen zum Einsatz. Wärmetherapie lockert verspannte Strukturen und verbessert die Durchblutung. Kälteanwendungen können Schwellungen reduzieren und Schmerzen lindern.

Die Narbenbehandlung ist ein weiterer wichtiger Baustein. Durch spezielle Massagetechniken und Desensibilisierungsübungen werden Narben geschmeidiger und weniger schmerzempfindlich. Elektrostimulation kann in manchen Fällen helfen, geschwächte Muskeln zu reaktivieren. Auch Spiegeltherapie kommt manchmal zum Einsatz, besonders wenn Bewegungsangst oder Schmerzen die Therapie erschweren.

Moderne Handtherapie arbeitet zudem mit individuell angefertigten Schienen und Orthesen. Diese unterstützen die Hand in der Heilungsphase optimal und ermöglichen gleichzeitig kontrollierte Bewegungen. Der Therapeut passt die Hilfsmittel regelmäßig an den Heilungsfortschritt an.

Eigenübungen für zu Hause

Der Erfolg der Handtherapie hängt maßgeblich von der Mitarbeit des Patienten ab. Täglich sollten die erlernten Übungen zu Hause durchgeführt werden. Der Therapeut erstellt dafür einen individuellen Übungsplan mit genauen Anleitungen. Wichtig ist dabei, die vorgegebene Belastung nicht zu überschreiten. Schmerzen sind ein Warnsignal und sollten ernst genommen werden.

Geduld spielt eine entscheidende Rolle: Die vollständige Heilung einer Sehnenverletzung dauert oft mehrere Monate. Wer die Therapie konsequent durchführt und die Anweisungen befolgt, hat jedoch gute Chancen, die Handfunktion weitgehend wiederzuerlangen. In komplexen Fällen oder bei Komplikationen kann die Therapie auch über ein halbes Jahr dauern.