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Therapie bei Skoliose im Jugendalter

Eine Skoliose ist eine seitliche Verkrümmung der Wirbelsäule, die mit einer Verdrehung der Wirbelkörper einhergeht. Besonders häufig tritt sie während des Wachstumsschubs in der Pubertät auf. Während leichte Verkrümmungen oft keine Beschwerden verursachen, können stärkere Ausprägungen zu Schmerzen, Haltungsproblemen und im Extremfall zu Einschränkungen der inneren Organe führen. Eine rechtzeitige Behandlung ist wichtig, um ein Fortschreiten zu verhindern und langfristige Folgen zu vermeiden.

Früherkennung und Diagnose

Die Skoliose entwickelt sich meist schleichend und wird oft erst entdeckt, wenn sie bereits deutlich ausgeprägt ist. Aufmerksame Eltern oder Sportlehrer bemerken manchmal eine schiefe Haltung, unterschiedlich hoch stehende Schultern oder einen Rippenbuckel beim Vorbeugen. Diese Anzeichen sollten immer orthopädisch abgeklärt werden. Der Arzt untersucht die Wirbelsäule und misst den sogenannten Cobb-Winkel auf einem Röntgenbild, der den Grad der Verkrümmung angibt.

Entscheidend für die Therapieplanung ist neben dem aktuellen Krümmungswinkel auch das Restwachstum des Jugendlichen. Während der Wachstumsphase kann sich eine Skoliose rasch verschlechtern, weshalb engmaschige Kontrollen wichtig sind. Je früher eine Skoliose erkannt wird und je mehr Wachstum noch bevorsteht, desto wichtiger ist eine konsequente Behandlung. Ab einem Cobb-Winkel von etwa zehn Grad wird in der Regel mit der Therapie begonnen.

Konservative Behandlungsmethoden

Bei den meisten Jugendlichen mit Skoliose kommt zunächst eine konservative, also nicht-operative Behandlung zum Einsatz. Diese umfasst vor allem Physiotherapie und bei stärkerer Ausprägung das Tragen eines Korsetts. Ziel ist es, die Verkrümmung zu stabilisieren oder im besten Fall zu korrigieren.

Physiotherapie nach Schroth

Die physiotherapeutische Behandlung bildet die Grundlage der konservativen Skoliose-Therapie. Besonders bewährt hat sich die Schroth-Methode, ein spezielles dreidimensionales Übungsprogramm. Dabei lernen Jugendliche, ihre Wirbelsäule bewusst wahrzunehmen und durch gezielte Haltungs- und Atemübungen aufzurichten. Die Therapie berücksichtigt, dass jede Skoliose ein individuelles Muster aufweist und passt die Übungen entsprechend an.

Die Schroth-Therapie arbeitet mit speziellen Atemtechniken, die helfen, die verkrümmten Bereiche zu dehnen und die Muskulatur gezielt zu kräftigen. Jugendliche üben vor einem Spiegel oder mit Hilfsmitteln wie Bällen und Stäben. Wichtig ist das regelmäßige, am besten tägliche Training zu Hause. Nur durch konsequentes Üben lassen sich dauerhafte Erfolge erzielen. Viele Physiotherapeuten bieten auch spezielle Intensivkurse an, in denen die Übungen über mehrere Tage intensiv erlernt werden.

Korsettbehandlung

Bei einem Cobb-Winkel ab etwa 20 bis 25 Grad während der Wachstumsphase empfehlen Ärzte meist das Tragen eines Korsetts. Moderne Korsetts sind aus Kunststoff gefertigt und werden individuell angepasst. Sie üben gezielten Druck auf bestimmte Bereiche der Wirbelsäule aus und sollen so die Verkrümmung korrigieren oder zumindest stabilisieren.

Die Tragedauer richtet sich nach der Schwere der Skoliose und liegt meist zwischen 16 und 23 Stunden täglich. Das klingt zunächst abschreckend, und tatsächlich ist die Korsetttherapie für Jugendliche oft eine große Belastung. Moderne Korsetts lassen sich jedoch unter der Kleidung tragen und sind von außen kaum sichtbar. Die Gewöhnung dauert einige Wochen, danach berichten viele Jugendliche, dass sie das Korsett kaum noch als störend empfinden.

Begleitend zur Korsetttherapie ist Physiotherapie unerlässlich. Die Muskulatur muss gekräftigt werden, um die Wirbelsäule auch ohne Korsett stabilisieren zu können. Sport ist mit Korsett meist eingeschränkt möglich, beim Schwimmen darf es abgelegt werden.

Operative Behandlung

Eine Operation wird nur bei schweren Skoliosen mit einem Cobb-Winkel über 45 bis 50 Grad in Betracht gezogen oder wenn die konservative Therapie nicht erfolgreich war. Der Eingriff, eine sogenannte Spondylodese, stabilisiert die Wirbelsäule durch Metallstäbe und verschmolzene Wirbelkörper. Die Operation ist aufwendig und erfordert einen mehrwöchigen Krankenhausaufenthalt sowie eine lange Rehabilitation.

Nach der Operation ist intensive Physiotherapie notwendig, um die Beweglichkeit wiederherzustellen und die Muskulatur aufzubauen. Die versteiften Wirbelsäulenbereiche schränken die Beweglichkeit ein, wobei moderne Operationstechniken versuchen, möglichst viele bewegliche Segmente zu erhalten. Die Entscheidung für eine Operation wird sorgfältig abgewogen und erfolgt erst, wenn konservative Maßnahmen ausgeschöpft sind.

Ergänzende Maßnahmen und Lebensstil

Neben den Haupttherapien können verschiedene ergänzende Maßnahmen die Behandlung unterstützen. Regelmäßiger Sport, besonders Schwimmen, stärkt die Rumpfmuskulatur und fördert eine aufrechte Haltung. Sportarten mit einseitigen Belastungen oder Stauchungen der Wirbelsäule sollten während der Wachstumsphase gemieden werden.

Wichtige Faktoren für den Therapieerfolg sind:

  • Konsequente tägliche Durchführung der Physiotherapieübungen
  • Regelmäßiges Tragen des Korsetts entsprechend den ärztlichen Vorgaben
  • Stärkung der Rumpfmuskulatur durch geeignete Sportarten
  • Regelmäßige orthopädische Kontrollen während der Wachstumsphase

Auch die psychische Unterstützung spielt eine Rolle. Jugendliche mit Skoliose fühlen sich manchmal anders oder eingeschränkt. Der Austausch mit anderen Betroffenen in Selbsthilfegruppen kann hilfreich sein. Eltern sollten ihr Kind ermutigen, aktiv am sozialen Leben teilzunehmen und nicht wegen der Skoliose zurückzustecken.

Langfristige Perspektiven

Mit konsequenter Behandlung lässt sich bei vielen Jugendlichen eine Verschlechterung der Skoliose verhindern. Nach Abschluss des Wachstums schreitet die Verkrümmung meist nicht weiter fort, vorausgesetzt sie liegt unter einem kritischen Wert. Regelmäßige Physiotherapie und Sport sollten jedoch lebenslang fortgeführt werden, um die Rumpfmuskulatur zu stärken und Beschwerden vorzubeugen.

Die meisten Menschen mit Skoliose können ein normales Leben führen, arbeiten und Sport treiben. Wichtig ist die frühzeitige Erkennung und konsequente Behandlung während der Wachstumsphase, um die besten Voraussetzungen für einen günstigen Verlauf zu schaffen.