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Therapie bei Sensibilitätsstörungen

Sensibilitätsstörungen beeinträchtigen die Fähigkeit, Berührungen, Temperaturen, Schmerzen oder die Position des eigenen Körpers wahrzunehmen. Sie treten häufig nach Schlaganfällen, bei Diabetes, nach Nervenverletzungen oder bei neurologischen Erkrankungen auf. Betroffene spüren oft ein Kribbeln, Taubheitsgefühle oder haben Schwierigkeiten, Gegenstände zu ertasten. Diese Einschränkungen können den Alltag erheblich erschweren und bergen auch Gefahren, etwa wenn Verletzungen oder Verbrennungen nicht bemerkt werden. Eine gezielte Therapie kann helfen, die Sensibilität zu verbessern oder Strategien zu entwickeln, um trotz der Einschränkungen sicher im Alltag zurechtzukommen.

Formen und Auswirkungen von Sensibilitätsstörungen

Sensibilitätsstörungen können sich unterschiedlich äußern. Manche Menschen spüren Berührungen kaum oder gar nicht, andere nehmen sie verstärkt oder verzerrt wahr. Es gibt verschiedene Qualitäten der Sensibilität: Die Oberflächensensibilität umfasst das Spüren von Berührung, Druck, Temperatur und Schmerz. Die Tiefensensibilität informiert über die Stellung der Gelenke und die Muskelspannung – sie ermöglicht es, auch ohne hinzusehen zu wissen, wo sich Arme und Beine befinden.

Bei einer Hyposensibilität ist die Wahrnehmung vermindert. Betroffene spüren Berührungen nur schwach oder gar nicht. Das macht alltägliche Tätigkeiten schwierig: Knöpfe schließen, kleine Gegenstände greifen oder das Halten von Besteck erfordern ein gutes Tastgefühl. Auch die Gefahr von Verletzungen steigt, wenn Schmerz nicht richtig wahrgenommen wird.

Bei einer Hypersensibilität reagieren Betroffene überempfindlich auf Reize. Leichte Berührungen werden als unangenehm oder schmerzhaft empfunden, bestimmte Kleidungsstücke können nicht getragen werden. Auch Missempfindungen wie Kribbeln, Brennen oder ein pelziges Gefühl gehören zu den Sensibilitätsstörungen. Diese Symptome belasten oft stark und schränken die Lebensqualität ein.

Therapeutische Ansätze

Die Behandlung von Sensibilitätsstörungen erfolgt hauptsächlich durch Ergotherapie und Physiotherapie. Der Therapieansatz hängt davon ab, ob die Sensibilität vermindert oder gesteigert ist und welche Bereiche betroffen sind. Ziel ist es entweder, die Wahrnehmung zu verbessern oder Kompensationsstrategien zu entwickeln.

Desensibilisierung bei Überempfindlichkeit

Bei überempfindlichen Reaktionen steht die Desensibilisierung im Vordergrund. Die betroffenen Körperbereiche werden dabei vorsichtig an verschiedene Reize gewöhnt. Therapeuten beginnen mit leichten, angenehmen Berührungen und steigern allmählich die Intensität. Verwendet werden unterschiedliche Materialien wie weiche Tücher, Bürsten mit verschiedenen Borstenstärken, Schwämme oder körnige Substanzen.

Die Übungen werden regelmäßig durchgeführt, oft mehrmals täglich für einige Minuten. Durch die wiederholte Stimulation lernt das Nervensystem, die Reize besser einzuordnen und nicht mehr als bedrohlich zu bewerten. Wichtig ist, dass die Person selbst die Kontrolle behält und die Intensität mitbestimmen kann. Zu starke Reize können kontraproduktiv sein und die Überempfindlichkeit sogar verstärken.

Auch Druckübungen haben sich bewährt. Festes, gleichmäßiges Drücken wird oft besser toleriert als leichte Berührungen. Gewichtsdecken, straff sitzende Kleidung oder Kompressionsbandagen können im Alltag helfen, die Überempfindlichkeit zu reduzieren.

Sensibilitätstraining bei verminderter Wahrnehmung

Ist die Sensibilität vermindert, zielt die Therapie darauf ab, die vorhandene Wahrnehmung zu schulen und zu verbessern. Verschiedene Übungen sprechen dabei unterschiedliche Aspekte der Sensibilität an. Beim Tasttraining werden Gegenstände mit geschlossenen Augen ertastet und erkannt. Dabei können verschiedene Formen, Größen oder Oberflächenstrukturen zum Einsatz kommen.

Temperaturübungen schulen das Empfinden für warm und kalt. Betroffene lernen, zwischen verschiedenen Temperaturen zu unterscheiden, etwa indem sie Hände abwechselnd in warmes und kaltes Wasser tauchen. Auch das Ertasten verschiedener Materialien wie Fell, Sandpapier, Seide oder Kork trainiert die taktile Wahrnehmung.

Für die Tiefensensibilität sind Übungen wichtig, bei denen Gelenkstellungen wahrgenommen werden müssen. Der Therapeut bewegt beispielsweise einen Finger in eine bestimmte Position, und die Person soll mit geschlossenen Augen den gleichen Finger der anderen Hand in dieselbe Stellung bringen. Auch Balanceübungen auf unterschiedlichen Untergründen fördern die Tiefenwahrnehmung.

Alltagsorientiertes Training

Die verbesserte Sensibilität muss in alltägliche Tätigkeiten übertragen werden. Ergotherapeuten trainieren deshalb gezielt Handlungen, die im Alltag wichtig sind. Das Greifen und Manipulieren von Gegenständen, das Erkennen von Münzen im Portemonnaie oder das Zuknöpfen von Kleidung werden praktisch geübt.

Bei dauerhaften Sensibilitätseinschränkungen liegt der Fokus auf Kompensationsstrategien. Betroffene lernen, verstärkt mit den Augen zu kontrollieren, was die Hände tun. Auch der Einsatz von Hilfsmitteln kann sinnvoll sein. Griffverdickungen an Besteck oder Stiften erleichtern das Festhalten. Rutschfeste Unterlagen verhindern, dass Gegenstände wegrutschen.

Wichtige Therapieinhalte umfassen:

  • Gezieltes Sensibilitätstraining mit verschiedenen Reizen und Materialien
  • Alltagspraktisches Üben relevanter Tätigkeiten
  • Schulung von Kompensationsstrategien und Schutzmaßnahmen
  • Anleitung zu Eigenübungen für zu Hause

Sicherheit im Alltag

Bei verminderter Sensibilität ist Vorsicht im Alltag wichtig. Menschen mit Sensibilitätsstörungen an den Händen sollten beim Kochen besonders aufpassen, um Verbrennungen zu vermeiden. Topfhandschuhe und vorsichtiges Prüfen von Temperaturen sind wichtig. Auch beim Heizen oder bei der Verwendung von Wärmflaschen ist Vorsicht geboten.

Bei Sensibilitätsstörungen an den Füßen, wie sie häufig bei Diabetes auftreten, ist die tägliche Fußkontrolle unverzichtbar. Kleine Verletzungen oder Druckstellen werden sonst nicht bemerkt und können sich zu ernsthaften Wunden entwickeln. Gut sitzendes, bequemes Schuhwerk ohne Nähte im Innenbereich schützt die Füße. Barfußlaufen sollte vermieden werden.

Geduld und Ausdauer

Die Verbesserung der Sensibilität ist oft ein langwieriger Prozess. Nerven regenerieren sehr langsam, und nicht immer lässt sich die ursprüngliche Wahrnehmungsfähigkeit wiederherstellen. Dennoch zeigen Studien, dass regelmäßiges Training auch bei chronischen Sensibilitätsstörungen Verbesserungen bringen kann. Das Gehirn ist in der Lage, Wahrnehmungsmuster neu zu erlernen und anzupassen.

Wichtig ist die konsequente Durchführung der Übungen, idealerweise täglich. Mit professioneller Anleitung und der Bereitschaft, kontinuierlich zu üben, können viele Betroffene ihre Sensibilität verbessern oder zumindest lernen, trotz der Einschränkungen sicher und selbstständig zu leben.