Schmerzen in Sehnen, Muskeln oder Gelenken, die sich bei Belastung verstärken und auch in Ruhephasen nicht vollständig verschwinden – solche Beschwerden kennen viele Menschen aus dem Arbeitsalltag oder beim Sport. Überlastungssyndrome entwickeln sich meist schleichend und werden anfangs oft ignoriert. Doch ohne gezielte Behandlung können aus anfänglichen Beschwerden chronische Probleme werden, die die Lebensqualität erheblich einschränken. Die Physiotherapie bietet wirksame Ansätze, um Überlastungsschäden zu behandeln und erneuten Beschwerden vorzubeugen.
Wie entstehen Überlastungssyndrome?
Überlastungssyndrome entstehen, wenn bestimmte Strukturen des Bewegungsapparats über einen längeren Zeitraum mehr beansprucht werden, als sie vertragen. Dabei kommt es zu winzigen Verletzungen im Gewebe, die bei ausreichender Erholung normalerweise problemlos heilen würden. Fehlt diese Erholungszeit jedoch, summieren sich die Mikroschäden und führen zu entzündlichen Prozessen und chronischen Beschwerden.
Besonders häufig sind Sehnen betroffen, etwa die Achillessehne bei Läufern oder die Sehnen im Ellenbogen bei Menschen mit einseitigen Armbewegungen im Beruf. Auch Schleimbeutel, Muskeln und Bänder können überlastet werden. Die Beschwerden treten typischerweise dort auf, wo immer wieder die gleichen Bewegungen ausgeführt werden.
Die Ursachen sind vielfältig. Sportler überfordern ihren Körper oft durch zu intensives Training ohne ausreichende Regeneration. Im Beruf führen monotone Bewegungsabläufe oder ungünstige Arbeitshaltungen zu Überlastungen. Auch falsche Technik beim Sport, ungeeignetes Schuhwerk oder eine schwache Muskulatur begünstigen die Entstehung von Beschwerden. Mit zunehmendem Alter steigt das Risiko zusätzlich, da Sehnen und Bänder an Elastizität verlieren.
Häufige Formen von Überlastungssyndromen
Verschiedene Bereiche des Körpers sind besonders anfällig für Überlastungsschäden:
- Tennisellenbogen und Golferellenbogen durch wiederholte Arm- und Handgelenksbewegungen
- Achillessehnenentzündung bei Läufern und Springern
- Schienbeinkantensyndrom durch Laufbelastung auf harten Untergründen
- Karpaltunnelsyndrom bei einseitigen Handbewegungen am Computer
- Schulterbeschwerden durch Überkopfarbeiten oder Wurfsportarten
Allen gemeinsam ist die chronische Überforderung bestimmter Strukturen durch einseitige oder zu intensive Belastung.
Therapeutische Behandlungsansätze
Die Behandlung von Überlastungssyndromen erfordert zunächst eine genaue Diagnose. Der Physiotherapeut untersucht die betroffene Region, prüft die Beweglichkeit und testet, bei welchen Bewegungen die Beschwerden auftreten. Auch die Analyse der belastenden Tätigkeiten gehört zur Befundaufnahme. Nur wenn die genauen Ursachen bekannt sind, kann eine wirksame Therapie entwickelt werden.
Ein zentraler Punkt der Behandlung ist die Belastungsreduktion. Das bedeutet nicht zwingend komplette Schonung, denn das kann sogar kontraproduktiv sein. Vielmehr geht es darum, die problematischen Bewegungen zu reduzieren und dem Gewebe Zeit zur Heilung zu geben. Der Therapeut berät, welche Aktivitäten möglich sind und welche vermieden werden sollten.
Gleichzeitig kommen verschiedene physiotherapeutische Techniken zum Einsatz. Manuelle Therapie lockert verspannte Strukturen und verbessert die Durchblutung. Spezielle Massagetechniken können Verklebungen im Gewebe lösen. Viele Patienten empfinden diese Behandlungen als angenehm und spüren oft schon nach wenigen Sitzungen eine Linderung.
Aktive Therapiebausteine
Neben den passiven Behandlungen spielt das aktive Training eine entscheidende Rolle. Durch gezielte Übungen wird die betroffene Region schrittweise wieder belastbarer gemacht. Dabei wird mit leichten Belastungen begonnen, die nach und nach gesteigert werden. Diese kontrollierte Belastung regt die Heilung an und baut die Struktur widerstandsfähiger auf.
Besonders wichtig ist das exzentrische Training. Dabei wird der Muskel unter Spannung gedehnt, was nachweislich positive Effekte auf Sehnenbeschwerden hat. Bei einer Achillessehnenentzündung etwa senkt der Patient seine Ferse langsam ab, während die Wade angespannt ist. Diese Übungen können anfangs unangenehm sein, sind aber sehr wirkungsvoll.
Auch die Kräftigung der umliegenden Muskulatur gehört zum Therapiekonzept. Eine gut trainierte Muskulatur entlastet Sehnen und Bänder und beugt erneuten Überlastungen vor. Der Therapeut zeigt Übungen, die zu Hause regelmäßig durchgeführt werden sollten.
Ergänzende Maßnahmen
Verschiedene zusätzliche Behandlungen können den Heilungsprozess unterstützen. Kälteanwendungen direkt nach belastenden Tätigkeiten wirken entzündungshemmend. Wärme dagegen fördert die Durchblutung und wird meist in der späteren Heilungsphase eingesetzt. Manche Patienten profitieren auch von Elektrotherapie oder Ultraschallbehandlungen.
Tapeverbände können die betroffene Struktur während der Heilung entlasten und gleichzeitig eine gewisse Bewegung ermöglichen. Sie geben Halt, ohne die Region komplett ruhigzustellen. Auch spezielle Bandagen oder Schienen kommen je nach Beschwerdebild zum Einsatz.
Prävention und langfristige Erfolge
Die erfolgreiche Behandlung eines Überlastungssyndroms dauert meist mehrere Wochen bis Monate. Geduld ist dabei eine wichtige Voraussetzung. Wer zu früh wieder voll belastet, riskiert Rückfälle und chronische Verläufe. Der Therapeut begleitet den Heilungsprozess und gibt klare Empfehlungen für die schrittweise Belastungssteigerung.
Mindestens ebenso wichtig wie die Behandlung ist die Vorbeugung weiterer Überlastungen. Dazu gehört die Analyse und Optimierung der auslösenden Tätigkeiten. Ergonomische Anpassungen am Arbeitsplatz, Verbesserung der Bewegungstechnik beim Sport oder regelmäßige Pausen bei monotonen Tätigkeiten können entscheidend sein.
Ein ausgewogenes Training mit ausreichenden Erholungsphasen schützt vor erneuten Beschwerden. Auch Dehnübungen und Ausgleichssport helfen, einseitige Belastungen zu kompensieren. Wer die Warnsignale des Körpers ernst nimmt und frühzeitig reagiert, kann chronische Probleme meist vermeiden. Die Physiotherapie vermittelt das nötige Wissen und die praktischen Fähigkeiten für einen langfristig beschwerdefreien Bewegungsapparat.