Das Stolpern über kleine Unebenheiten, Schwierigkeiten beim Treppensteigen oder ein auffälliges Gangbild – eine Fußheberschwäche schränkt die Mobilität erheblich ein und belastet den Alltag. Bei dieser Störung kann der Fuß nicht mehr ausreichend angehoben werden, was das Gehen erschwert und das Sturzrisiko erhöht. Die gute Nachricht: Mit gezielter physiotherapeutischer Behandlung lassen sich die Beschwerden oft deutlich verbessern und die Lebensqualität wiederherstellen.
Was ist eine Fußheberschwäche?
Bei einer Fußheberschwäche ist die Muskulatur, die den Fuß nach oben hebt, geschwächt oder fällt ganz aus. Betroffen sind vor allem die Muskeln an der Vorderseite des Unterschenkels. Normalerweise heben diese Muskeln den Fuß beim Gehen automatisch an, sodass die Zehen frei über den Boden schwingen. Ist diese Funktion gestört, schleift die Fußspitze beim Gehen über den Boden oder der Betroffene stolpert häufig.
Die Ursachen für eine Fußheberschwäche sind vielfältig. Oft liegt eine Schädigung des Nervus peroneus zugrunde, der die entsprechende Muskulatur versorgt. Dieser Nerv kann durch Druck, etwa bei langem Sitzen mit übergeschlagenen Beinen, durch Verletzungen oder nach Operationen geschädigt werden. Auch neurologische Erkrankungen wie ein Schlaganfall, Multiple Sklerose oder Bandscheibenvorfälle können eine Fußheberschwäche verursachen.
Das charakteristische Merkmal ist das sogenannte Steppergang-Muster. Betroffene heben das gesamte Bein übermäßig hoch an, um zu vermeiden, dass die Fußspitze am Boden hängen bleibt. Dieses Gangbild ist anstrengend und kann auf Dauer zu Überlastungen anderer Körperregionen führen. Viele Menschen verlieren zudem das Vertrauen in ihre Gehfähigkeit und schränken ihre Aktivitäten ein.
Typische Symptome und Folgen
Eine Fußheberschwäche äußert sich durch verschiedene Anzeichen:
- Hängender Fuß beim Gehen mit Schleifen der Fußspitze
- Häufiges Stolpern über Teppichkanten oder kleine Hindernisse
- Schwierigkeiten beim Treppensteigen
- Kraftverlust beim Stehen auf den Fersen
- Unsicheres Gangbild und erhöhte Sturzgefahr
Diese Einschränkungen belasten nicht nur körperlich, sondern auch psychisch. Die Angst vor Stürzen führt oft zu verminderter Aktivität, was wiederum die Muskulatur weiter schwächt.
Physiotherapeutische Behandlung
Die Therapie einer Fußheberschwäche richtet sich nach der zugrunde liegenden Ursache und dem Schweregrad. Zu Beginn steht eine gründliche Untersuchung. Der Physiotherapeut testet die Muskelkraft, prüft die Sensibilität und analysiert das Gangbild. Auch die Beweglichkeit des Sprunggelenks wird untersucht, da eingeschränkte Beweglichkeit die Probleme verstärken kann.
Ein zentraler Baustein der Behandlung ist das gezielte Muskeltraining. Die geschwächte Muskulatur wird durch spezielle Übungen aktiviert und gekräftigt. Anfangs können die Bewegungen noch minimal sein, doch jede noch so kleine aktive Bewegung ist wertvoll. Der Therapeut unterstützt die Übungen anfangs manuell und reduziert die Hilfe schrittweise, wenn die Kraft zunimmt.
Dabei kommen verschiedene Trainingsmethoden zum Einsatz. Isometrische Übungen, bei denen der Muskel angespannt wird, ohne dass Bewegung entsteht, sind gerade zu Beginn oft gut durchführbar. Später folgen aktive Bewegungen gegen die Schwerkraft und schließlich gegen Widerstand. Wichtig ist die regelmäßige Wiederholung, denn nur so können Kraft und Koordination verbessert werden.
Gangschule und Koordinationstraining
Neben der Kräftigung spielt die Gangschulung eine wichtige Rolle. Betroffene haben oft ein verändertes Gangmuster entwickelt, das auch nach Kraftzunahme bestehen bleiben kann. Der Physiotherapeut übt mit dem Patienten ein physiologisches Gangbild. Dabei wird besonderes Augenmerk auf die Fersenaufsetzphase und das Abrollen des Fußes gelegt.
Koordinationsübungen verbessern das Zusammenspiel verschiedener Muskelgruppen. Balancetraining auf unterschiedlichen Untergründen schult das Gleichgewicht und gibt Sicherheit beim Gehen. Viele Patienten profitieren auch von Übungen vor dem Spiegel, bei denen sie ihre Bewegungen visuell kontrollieren können.
Die Dehnung der Wadenmuskulatur ist ebenfalls wichtig. Oft verkürzt diese Muskulatur sich durch die Schonhaltung und eingeschränkte Bewegung. Eine verkürzte Wade erschwert das Anheben des Fußes zusätzlich. Regelmäßige Dehnübungen erhalten die Beweglichkeit des Sprunggelenks.
Hilfsmittel und Alltagsstrategien
In vielen Fällen kommen zusätzlich zur Therapie Hilfsmittel zum Einsatz. Peroneusschienen oder Fußheberorthesen unterstützen das Anheben des Fußes mechanisch und ermöglichen ein sichereres Gehen. Diese Hilfsmittel ersetzen nicht die Therapie, sondern ergänzen sie. Sie geben Sicherheit im Alltag und ermöglichen mehr Mobilität, während parallel an der Kräftigung gearbeitet wird.
Moderne Orthesen sind leicht und unauffällig, können im Schuh getragen werden und schränken die Bewegungsfreiheit nur minimal ein. Der Physiotherapeut berät bei der Auswahl und übt das Gehen mit der Orthese. Auch die richtige Einstellung ist wichtig, damit das Hilfsmittel optimal wirkt.
Prognose und langfristige Aussichten
Die Aussichten bei einer Fußheberschwäche hängen stark von der Ursache ab. Bei Nervenschädigungen durch Druck kann sich die Funktion innerhalb weniger Wochen bis Monate vollständig erholen, wenn die Ursache behoben wird. Bei schwereren Nervenverletzungen oder neurologischen Grunderkrankungen ist die Erholung oft langsamer und manchmal nur teilweise möglich.
Entscheidend ist der frühzeitige Therapiebeginn. Je länger eine Lähmung besteht, desto schwieriger wird die Rehabilitation. Die Muskeln bauen ab und Fehlhaltungen verfestigen sich. Deshalb sollte bei ersten Anzeichen einer Fußheberschwäche zeitnah ärztliche und physiotherapeutische Hilfe in Anspruch genommen werden.
Auch bei bleibenden Einschränkungen kann die Physiotherapie viel erreichen. Durch Kräftigung der erhaltenen Muskulatur, Kompensationsstrategien und den Einsatz von Hilfsmitteln lässt sich die Mobilität deutlich verbessern. Viele Patienten können mit der richtigen Behandlung wieder ein weitgehend normales Leben führen und ihre Selbstständigkeit bewahren. Kontinuierliche Übungen und regelmäßige physiotherapeutische Kontrollen sichern die erreichten Fortschritte langfristig.