Kopfschmerzen, Kieferschmerzen oder ein knackendes Geräusch beim Kauen – diese Beschwerden können auf eine Störung des Kiefergelenks hinweisen. Die sogenannte Craniomandibuläre Dysfunktion, kurz CMD, betrifft das komplexe Zusammenspiel von Kiefergelenk, Kaumuskulatur und Zähnen. Viele Menschen leiden unter diesen Beschwerden, ohne die wahre Ursache zu kennen. Eine gezielte Behandlung kann die Symptome deutlich lindern und die Lebensqualität verbessern. Dabei arbeiten verschiedene Fachrichtungen Hand in Hand, um das Kiefergelenk wieder ins Gleichgewicht zu bringen.
Was ist CMD?
CMD steht für Craniomandibuläre Dysfunktion und bezeichnet eine Funktionsstörung des Kausystems. Der Begriff setzt sich zusammen aus „Cranium“ für Schädel, „Mandibula“ für Unterkiefer und „Dysfunktion“ für Fehlfunktion. Betroffen sind die Kiefergelenke, die Kaumuskulatur und die Zähne. Diese arbeiten normalerweise perfekt zusammen. Wenn dieses fein abgestimmte System aus dem Gleichgewicht gerät, entstehen die typischen CMD-Beschwerden.
Die Kiefergelenke gehören zu den am häufigsten benutzten Gelenken des Körpers. Sie sind beim Kauen, Sprechen, Schlucken und sogar beim Atmen aktiv. Jeder Mensch öffnet und schließt seinen Mund etwa 2000 Mal pro Tag. Bei dieser enormen Beanspruchung ist es nicht verwunderlich, dass Störungen auftreten können. Schätzungen zufolge leiden etwa fünf bis zehn Prozent der Bevölkerung unter behandlungsbedürftiger CMD. Frauen sind häufiger betroffen als Männer.
Symptome und Ursachen
Die Beschwerden bei CMD sind vielfältig und werden oft nicht sofort mit dem Kiefergelenk in Verbindung gebracht. Viele Betroffene haben einen langen Leidensweg hinter sich, bevor die richtige Diagnose gestellt wird. Zu den häufigsten Symptomen gehören:
- Schmerzen im Kiefergelenk, vor dem Ohr oder beim Kauen
- Eingeschränkte Mundöffnung oder Kieferklemme
- Knack- oder Reibegeräusche beim Öffnen oder Schließen des Mundes
- Verspannungen und Schmerzen in Nacken, Schultern und Rücken
- Kopfschmerzen, die oft als Spannungskopfschmerz fehlgedeutet werden
- Ohrenschmerzen oder Ohrgeräusche (Tinnitus) ohne HNO-ärztlichen Befund
- Schwindel oder Sehstörungen in seltenen Fällen
Die Ursachen für CMD sind meist multifaktoriell. Stress spielt eine zentrale Rolle. Viele Menschen pressen oder knirschen unbewusst mit den Zähnen, besonders nachts. Diese ständige Anspannung überfordert die Kaumuskulatur und belastet die Kiefergelenke. Auch Fehlstellungen der Zähne oder des Kiefers können CMD auslösen. Schlecht sitzender Zahnersatz, zu hohe Füllungen oder fehlende Zähne verändern die Bisslage und bringen das System aus dem Gleichgewicht.
Manchmal sind auch Verletzungen durch Unfälle oder übermäßiges Mundöffnen beim Zahnarzt der Auslöser. Haltungsprobleme und Verspannungen im Nacken- und Schulterbereich können ebenfalls auf die Kiefergelenke einwirken. Der Körper ist eine funktionelle Einheit, und Probleme in einem Bereich können sich auf andere auswirken.
Behandlungsmöglichkeiten
Die Therapie von CMD erfordert meist einen interdisziplinären Ansatz. Zahnarzt, Kieferorthopäde, Physiotherapeut und manchmal auch Osteopath oder Psychotherapeut arbeiten zusammen. Die Behandlung richtet sich nach der Ursache und der Schwere der Beschwerden.
Zahnärztliche und kieferorthopädische Therapie
Die zahnärztliche Untersuchung steht am Anfang der Diagnostik. Der Zahnarzt prüft die Bisslage, untersucht die Kiefergelenke und tastet die Kaumuskulatur ab. Funktionsanalysen können das Zusammenspiel von Ober- und Unterkiefer genau erfassen. Wenn Fehlstellungen der Zähne die Ursache sind, kann eine kieferorthopädische Behandlung notwendig sein.
Das häufigste zahnärztliche Hilfsmittel ist die Aufbissschiene. Diese wird individuell angefertigt und meist nachts getragen. Die Schiene verhindert das Knirschen und Pressen, entlastet die Kiefergelenke und entspannt die Muskulatur. Viele Patienten spüren bereits nach wenigen Wochen eine deutliche Besserung. Die Schiene korrigiert zudem leichte Fehlstellungen und bringt den Kiefer in eine entspanntere Position.
In manchen Fällen müssen Zähne eingeschliffen oder aufgebaut werden, um die Bisslage zu optimieren. Auch der Ersatz fehlender Zähne durch Implantate oder Brücken kann Teil der Behandlung sein. Diese Maßnahmen sollten jedoch erst nach gründlicher Planung erfolgen.
Physiotherapie und manuelle Behandlung
Die physiotherapeutische Behandlung ist ein wichtiger Baustein der CMD-Therapie. Speziell ausgebildete Therapeuten lösen Verspannungen in der Kaumuskulatur durch gezielte Massagen und manuelle Techniken. Sie behandeln auch die oft mitbetroffenen Bereiche wie Nacken, Schultern und oberen Rücken. Das Ziel ist, die gesamte Muskelkette zu entspannen und das Gleichgewicht wiederherzustellen.
Patienten lernen Übungen für zu Hause, mit denen sie ihre Kiefermuskulatur dehnen und kräftigen können. Auch Entspannungstechniken sind Teil der Therapie. Wärmeanwendungen, Ultraschall oder Elektrotherapie können die Behandlung ergänzen. Manche Therapeuten arbeiten mit Taping-Techniken, die die Muskulatur unterstützen.
Selbsthilfe und Prävention
Neben der professionellen Behandlung können Betroffene selbst viel tun. Das bewusste Entspannen des Kiefers tagsüber ist ein erster Schritt. Eine gute Merkhilfe lautet: Lippen zusammen, Zähne auseinander. Diese Grundhaltung sollte man sich immer wieder bewusst machen. Auch der Umgang mit Stress ist entscheidend. Entspannungstechniken wie progressive Muskelentspannung oder Meditation können helfen, die allgemeine Anspannung zu reduzieren.
Weiche Kost entlastet die Kiefergelenke während akuter Beschwerden. Hartes Brot, zähes Fleisch oder große Bissen sollten gemieden werden. Auch das übermäßige Kauen von Kaugummi belastet die Gelenke unnötig. Wärme in Form von Körnerkissen oder warmen Kompressen entspannt die Muskulatur und lindert Schmerzen.
Mit der richtigen Kombination aus professioneller Behandlung und Eigeninitiative lässt sich CMD in den meisten Fällen gut in den Griff bekommen. Die Beschwerden bessern sich oft deutlich, und viele Patienten können wieder schmerzfrei essen, sprechen und leben.