Gehhilfen wie Rollatoren, Gehstöcke oder Unterarmgehstützen können die Mobilität deutlich verbessern und zu mehr Selbstständigkeit verhelfen. Doch die bloße Anschaffung reicht nicht aus – die sichere und richtige Nutzung will gelernt sein. Viele Stürze und Unsicherheiten entstehen durch fehlerhafte Handhabung oder falsch eingestellte Hilfsmittel. Ein professionelles Hilfsmitteltraining durch Physiotherapeuten oder Ergotherapeuten vermittelt die richtige Technik und gibt Sicherheit im Umgang mit Rollator, Gehstock und anderen Hilfsmitteln.
Warum Hilfsmitteltraining wichtig ist
Der Gedanke, dass man einen Rollator einfach benutzen kann, ist weit verbreitet. Tatsächlich ist die sichere Handhabung aber anspruchsvoller als viele denken. Falsche Körperhaltung, unsicheres Bremsen oder Schwierigkeiten beim Überwinden von Hindernissen können zu gefährlichen Situationen führen. Auch die richtige Einstellung der Griffhöhe wird oft vernachlässigt, was zu Haltungsschäden und Schmerzen führen kann.
Ein strukturiertes Training hilft, solche Probleme zu vermeiden. Therapeuten zeigen nicht nur die Grundlagen der Benutzung, sondern üben auch anspruchsvollere Situationen: Treppen, Bordsteine, enge Räume oder unebene Wege. Diese praktischen Übungen geben Sicherheit für den Alltag. Zudem wird die Muskulatur gezielt trainiert, denn auch mit Hilfsmitteln braucht man ausreichend Kraft und Ausdauer.
Das Training ist besonders wichtig nach Operationen, Schlaganfällen oder bei fortschreitenden Erkrankungen. Wer frühzeitig den richtigen Umgang lernt, bewahrt sich länger seine Mobilität und kann aktiv am Leben teilhaben.
Rollatortraining in der Praxis
Der Rollator ist das am häufigsten genutzte Hilfsmittel für Menschen mit Gangunsicherheit. Das Training beginnt mit der richtigen Einstellung des Geräts. Die Griffhöhe sollte so gewählt werden, dass die Arme leicht angewinkelt sind und die Schultern nicht hochgezogen werden. Eine falsche Höhe führt zu Verspannungen und unsicherem Gang.
Grundtechniken und Körperhaltung
Die richtige Körperhaltung ist entscheidend. Viele Nutzer beugen sich zu weit nach vorne über den Rollator, was das Sturzrisiko erhöht. Therapeuten üben eine aufrechte Haltung, bei der der Rollator nah am Körper geführt wird. Der Blick sollte nach vorne gerichtet sein, nicht auf den Boden. Auch das richtige Gehen will trainiert sein: Der Rollator wird zuerst ein Stück vorgeschoben, dann folgen die Füße.
Das Bremsen ist ein wichtiger Übungspunkt. Die Handbremsen müssen in beiden Händen gleichzeitig betätigt werden, um ein Verdrehen des Rollators zu vermeiden. Auch das Feststellen der Feststellbremse beim Hinsetzen muss zur Routine werden. Viele Stürze passieren, weil der Rollator beim Aufstehen oder Hinsetzen wegrollt.
Alltagssituationen meistern
Im Training werden gezielt Situationen geübt, die im Alltag herausfordernd sind. Dazu gehört das Durchfahren von Türen, wobei viele Nutzer Schwierigkeiten haben, Tür und Rollator gleichzeitig zu manövrieren. Auch das Rückwärtsfahren, etwa beim Einsteigen in einen Aufzug, wird trainiert. Besonders wichtig ist das sichere Überwinden von Bordsteinen: Der Rollator wird leicht angehoben und mit den Vorderrädern zuerst auf den Bordstein gesetzt.
Auch das Verhalten auf unterschiedlichen Untergründen wird geübt. Auf Kies, Kopfsteinpflaster oder nassen Böden braucht es mehr Aufmerksamkeit und angepasste Techniken.
Training mit Gehstock und Gehstützen
Gehstöcke und Unterarmgehstützen erfordern andere Techniken als der Rollator. Auch hier ist die richtige Einstellung der Länge wichtig. Der Griff sollte auf Höhe des Handgelenks sein, wenn der Arm locker herabhängt. Bei Unterarmgehstützen muss auch die Manschette richtig sitzen.
Sichere Gehtechniken
Die Koordination von Gehstock und Beinen will geübt sein. Bei Verwendung eines einzelnen Gehstocks wird dieser auf der gesunden Seite geführt und gleichzeitig mit dem beeinträchtigten Bein vorgesetzt. Bei Unterarmgehstützen gibt es verschiedene Gangmuster je nach Belastbarkeit der Beine. Das Dreierpunkt- oder Vierpunktgangmuster wird im Training systematisch erlernt.
Besonders anspruchsvoll ist das Treppensteigen mit Gehhilfen. Die Regel lautet: Beim Hochgehen kommt zuerst das gesunde Bein, beim Heruntergehen das beeinträchtigte. Die Gehstützen bewegen sich mit dem schwächeren Bein. Diese Abläufe werden so lange geübt, bis sie automatisch ablaufen.
Weitere Hilfsmittel und ihre Handhabung
Neben Rollatoren und Gehstöcken gibt es weitere Hilfsmittel, deren Nutzung trainiert werden sollte. Toilettensitzerhöhungen, Greifhilfen oder Anziehhilfen erleichtern den Alltag erheblich, wenn man ihren Einsatz beherrscht. Ergotherapeuten zeigen praktische Kniffe für den täglichen Gebrauch.
Wichtige Aspekte des Trainings umfassen:
- Richtige Einstellung und Anpassung der Hilfsmittel
- Sicherer Umgang in verschiedenen Alltagssituationen
- Pflege und Wartung der Geräte
- Training der benötigten Muskulatur und Ausdauer
Auch die Pflege der Hilfsmittel wird thematisiert. Bremsen müssen regelmäßig kontrolliert werden, Reifen benötigen ausreichend Profil, und bewegliche Teile sollten bei Bedarf geölt werden.
Training zu Hause und unterwegs
Nach dem initialen Training in der Praxis sollte das Gelernte zu Hause weiter geübt werden. Therapeuten geben konkrete Hausaufgaben und Übungen mit. Auch Angehörige können einbezogen werden, um die sichere Nutzung zu unterstützen. Regelmäßiges Üben festigt die Abläufe und gibt zunehmend Sicherheit.
Wichtig ist, die Hilfsmittel konsequent zu nutzen und nicht aus falscher Eitelkeit darauf zu verzichten. Viele Menschen scheuen sich zunächst, mit Rollator oder Gehstock in der Öffentlichkeit unterwegs zu sein. Doch diese Hilfsmittel sind keine Zeichen von Schwäche, sondern ermöglichen Mobilität und Selbstständigkeit. Mit der richtigen Technik und ausreichend Übung wird die Nutzung bald zur Selbstverständlichkeit.
Ein professionelles Hilfsmitteltraining ist eine wertvolle Investition in die eigene Sicherheit und Unabhängigkeit. Die erlernten Techniken helfen, Stürze zu vermeiden und die Mobilität möglichst lange zu erhalten.