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Dachs

Konzentrationstraining bei Kindern

Hausaufgaben werden zur Geduldsprobe, das Kind lässt sich ständig ablenken und kann nicht stillsitzen – viele Eltern kennen diese Situationen. Konzentrationsschwierigkeiten sind bei Kindern weit verbreitet und können den Schulalltag erheblich erschweren. Doch die Fähigkeit, sich zu fokussieren, ist keine angeborene Eigenschaft, die man hat oder nicht. Konzentration lässt sich trainieren wie ein Muskel. Mit gezielten Übungen, Geduld und der richtigen Herangehensweise können Kinder lernen, ihre Aufmerksamkeit besser zu steuern. Ein gut durchdachtes Konzentrationstraining verbessert nicht nur die schulischen Leistungen, sondern stärkt auch das Selbstvertrauen der Kinder.

Was bedeutet Konzentration bei Kindern?

Konzentration bezeichnet die Fähigkeit, die Aufmerksamkeit über einen gewissen Zeitraum auf eine bestimmte Aufgabe zu richten und sich dabei nicht ablenken zu lassen. Bei Kindern entwickelt sich diese Fähigkeit erst allmählich. Während ein Dreijähriger sich vielleicht fünf Minuten auf eine Sache konzentrieren kann, schaffen Grundschulkinder schon 15 bis 20 Minuten. Mit zunehmendem Alter steigt die Konzentrationsspanne weiter an.

Wichtig ist zu verstehen, dass Konzentrationsprobleme nicht automatisch auf ADHS oder eine andere Störung hinweisen. Viele Faktoren können die Aufmerksamkeit beeinträchtigen. Zu wenig Schlaf, unausgewogene Ernährung, Bewegungsmangel oder emotionale Belastungen spielen oft eine größere Rolle als gedacht. Auch übermäßiger Medienkonsum kann die Konzentrationsfähigkeit negativ beeinflussen. Kinder, die viel Zeit vor Bildschirmen verbringen, gewöhnen sich an schnelle Reize und tun sich schwerer mit Tätigkeiten, die Ausdauer erfordern.

Wann ist Konzentrationstraining sinnvoll?

Nicht jedes verträumte oder lebhafte Kind braucht ein spezielles Training. Eine gewisse Unruhe und Ablenkbarkeit sind im Kindesalter völlig normal. Eltern sollten jedoch aufmerksam werden, wenn die Konzentrationsschwierigkeiten den Alltag deutlich beeinträchtigen. Anzeichen dafür können sein:

  • Das Kind kann auch bei interessanten Aktivitäten nicht bei der Sache bleiben
  • Hausaufgaben dauern unverhältnismäßig lang und enden oft in Frustration
  • Einfache Aufgaben werden nicht zu Ende gebracht
  • Das Kind macht viele Flüchtigkeitsfehler trotz vorhandenen Wissens
  • Lehrer berichten von häufiger Unaufmerksamkeit im Unterricht
  • Das Kind wirkt oft überfordert und erschöpft

Wenn mehrere dieser Punkte zutreffen, kann ein gezieltes Training helfen. Auch wenn bereits eine Diagnose wie ADHS gestellt wurde, ist Konzentrationstraining eine wichtige Ergänzung zur medikamentösen Behandlung.

Methoden des Konzentrationstrainings

Es gibt verschiedene bewährte Programme und Ansätze, die die Konzentrationsfähigkeit von Kindern verbessern können. Die Auswahl richtet sich nach Alter, Persönlichkeit und konkreten Schwierigkeiten des Kindes.

Strukturierte Trainingsprogramme

Zu den bekanntesten Methoden gehört das Marburger Konzentrationstraining, das speziell für Grundschulkinder entwickelt wurde. In kleinen Gruppen lernen Kinder durch spielerische Übungen, planvoll und strukturiert zu arbeiten. Sie üben, laut zu denken und sich selbst Anweisungen zu geben. Diese Methode der Selbstinstruktion hilft, impulsives Verhalten zu reduzieren. Auch Entspannungsübungen sind Teil des Programms, denn nur wer innerlich ruhig ist, kann sich gut konzentrieren.

Ein anderer Ansatz ist das Attentioner-Training, das besonders die Aufmerksamkeitssteuerung trainiert. Kinder lernen, wichtige von unwichtigen Reizen zu unterscheiden und sich auf das Wesentliche zu fokussieren. Diese Programme werden meist von Ergotherapeuten, Psychologen oder speziell geschulten Pädagogen durchgeführt.

Übungen für zu Hause

Eltern können die Konzentration ihrer Kinder auch im Alltag fördern. Wichtig ist dabei, dass die Übungen als Spiel empfunden werden und nicht als zusätzliche Belastung. Puzzles, Memory-Spiele oder Fehlerbildersuche sind klassische Konzentrationsspiele, die Spaß machen und gleichzeitig trainieren. Auch Gesellschaftsspiele, bei denen Kinder Regeln beachten und abwarten müssen, bis sie an der Reihe sind, schulen die Aufmerksamkeit.

Kreative Tätigkeiten wie Malen, Basteln oder Bauen mit Konstruktionsspielzeug fördern ebenfalls die Konzentration. Das Besondere daran: Kinder vertiefen sich oft von selbst in solche Aktivitäten, wenn sie ihren Interessen entsprechen. Diese Momente der Vertiefung sind wertvoll und sollten nicht unterbrochen werden.

Rahmenbedingungen schaffen

Die beste Übung hilft wenig, wenn die Umgebung nicht stimmt. Ein ruhiger, aufgeräumter Arbeitsplatz ist grundlegend. Ablenkungen wie laufender Fernseher, Geschwister oder Smartphone sollten während der Hausaufgaben tabu sein. Auch eine feste Routine hilft: Wenn Kinder wissen, dass nach der Schule erst eine Pause kommt und dann zur gleichen Zeit die Hausaufgaben anstehen, fällt ihnen das Konzentrieren leichter.

Regelmäßige Pausen sind ebenso wichtig wie die Arbeitszeit selbst. Die Konzentration lässt nach 15 bis 20 Minuten natürlicherweise nach. Eine kurze Bewegungspause hilft, neue Energie zu tanken. Auch ausreichend Schlaf, gesunde Ernährung und viel Bewegung an der frischen Luft sind Grundvoraussetzungen für gute Konzentration.

Rolle der Eltern

Eltern können viel tun, sollten aber auch realistisch bleiben. Ungeduld und Druck bewirken meist das Gegenteil. Besser ist es, kleine Fortschritte zu loben und das Kind zu ermutigen. Wenn das Kind merkt, dass es sich verbessert, wächst die Motivation von selbst. Manchmal hilft es auch, gemeinsam mit dem Kind herauszufinden, wann es sich am besten konzentrieren kann. Manche Kinder arbeiten morgens besser, andere am Nachmittag.

Bei anhaltenden Schwierigkeiten ist professionelle Unterstützung ratsam. Ergotherapeuten oder Kinder- und Jugendpsychotherapeuten können eine genaue Diagnostik durchführen und ein passendes Training empfehlen. Mit der richtigen Unterstützung lernen die meisten Kinder, ihre Konzentration zu verbessern – eine Fähigkeit, die ihnen ein Leben lang zugutekommt.