Menschen, die längere Zeit im Bett liegen müssen, sind auf fachgerechte Lagerung angewiesen. Ob nach einer Operation, bei schwerer Erkrankung oder im hohen Alter – die richtige Positionierung im Bett ist entscheidend für das Wohlbefinden und die Gesundheit der Betroffenen. Professionelle Lagerungstechniken verhindern Druckgeschwüre, fördern die Atmung und unterstützen die Durchblutung. Für Pflegekräfte und pflegende Angehörige ist das Wissen um korrekte Lagerung daher unverzichtbar. Mit den richtigen Techniken und Hilfsmitteln lassen sich Komplikationen vermeiden und die Lebensqualität der Patienten deutlich verbessern.
Warum ist richtige Lagerung wichtig?
Die Lagerung bettlägeriger Menschen verfolgt mehrere Ziele. An erster Stelle steht die Vermeidung von Druckgeschwüren, auch Dekubitus genannt. Diese entstehen, wenn Körperstellen über längere Zeit einem konstanten Druck ausgesetzt sind. Die Durchblutung wird eingeschränkt, das Gewebe wird nicht ausreichend mit Sauerstoff versorgt und kann absterben. Besonders gefährdet sind Stellen, an denen Knochen nah unter der Haut liegen, wie Fersen, Steißbein, Hüftknochen oder Schulterblätter.
Doch die richtige Lagerung hat noch weitere wichtige Funktionen. Sie erleichtert die Atmung, indem sie die Lunge optimal belüftet. Das ist besonders wichtig bei Menschen mit Lungenproblemen oder nach Operationen. Auch die Verdauung profitiert von Positionswechseln. Zudem werden Kontrakturen verhindert – das sind dauerhafte Versteifungen von Gelenken, die entstehen können, wenn ein Körperteil immer in der gleichen Position verharrt. Die Lagerung beeinflusst außerdem das subjektive Wohlbefinden erheblich. Wer stundenlang in einer Position liegt, verspannt und entwickelt Schmerzen.
Grundprinzipien der Lagerung
Erfolgreiche Lagerung basiert auf einigen wichtigen Grundsätzen. Der regelmäßige Positionswechsel ist das A und O der Dekubitusprophylaxe. Experten empfehlen, die Position alle zwei bis drei Stunden zu verändern. Bei Menschen mit sehr empfindlicher Haut oder bereits vorhandenen Hautschäden können kürzere Intervalle notwendig sein. Dabei kommt es nicht nur auf die Häufigkeit an, sondern auch auf die Vielfalt der Positionen.
Die Lagerung sollte immer individuell angepasst werden. Was für den einen Patienten angenehm ist, kann für den anderen unerträglich sein. Schmerzen, Vorerkrankungen, Operationswunden oder künstliche Ausgänge müssen berücksichtigt werden. Auch die Wünsche des Patienten spielen eine wichtige Rolle – soweit möglich, sollten Betroffene in Entscheidungen einbezogen werden. Eine gute Kommunikation zwischen Pflegekraft und Patient ist daher unerlässlich.
Wichtige Lagerungstechniken
In der Pflege haben sich verschiedene Lagerungstechniken etabliert, die je nach Situation und Bedürfnissen eingesetzt werden. Jede Technik hat ihre spezifischen Vorteile und Einsatzgebiete.
Die 30-Grad-Lagerung
Die 30-Grad-Lagerung, auch Freilagerung genannt, gilt als Standardmethode zur Dekubitusprophylaxe. Der Patient liegt leicht zur Seite gedreht, wobei der Winkel etwa 30 Grad beträgt. Diese Position entlastet die gefährdeten Druckstellen an Steißbein und Hüfte optimal. Der Rücken wird mit Lagerungskissen abgestützt, sodass der Patient nicht nach hinten kippt. Auch die Beine werden durch Kissen unterstützt. Diese Lagerung ist sehr schonend und wird von den meisten Menschen als angenehm empfunden.
Weitere Lagerungsformen
Bei der Rückenlagerung liegt der Patient flach auf dem Rücken. Diese Position eignet sich nicht für Dauerlagerung, kann aber kurzzeitig notwendig sein, etwa bei bestimmten medizinischen Maßnahmen. Wichtig ist, dass Arme und Beine leicht angewinkelt und mit Kissen unterstützt werden, um eine natürliche Körperhaltung zu ermöglichen.
Die Seitenlagerung in einem 90-Grad-Winkel kommt heute seltener zum Einsatz, da sie die Hüfte stark belastet. In manchen Situationen ist sie jedoch sinnvoll, etwa um das Essen zu erleichtern oder bei bestimmten medizinischen Eingriffen. Auch hier ist eine gute Polsterung mit Kissen wichtig.
Die Bauchlagerung wird vor allem bei Atemproblemen eingesetzt. Sie verbessert die Belüftung der Lunge deutlich und kam besonders während der Corona-Pandemie häufiger zur Anwendung. Diese Lagerung erfordert besondere Sorgfalt, da Gesicht, Brust und Becken gut gepolstert werden müssen.
Hilfsmittel für die Lagerung
Moderne Lagerungshilfen erleichtern die Arbeit in der Pflege erheblich und erhöhen den Komfort für die Patienten. Zu den wichtigsten Hilfsmitteln gehören:
- Lagerungskissen in verschiedenen Formen und Größen zur Unterstützung einzelner Körperteile
- Weichlagerungsmatratzen, die den Druck besser verteilen als herkömmliche Matratzen
- Wechseldruckmatratzen, bei denen sich die Luftkammern automatisch abwechselnd füllen und entleeren
- Fersenschoner und spezielle Polster zum Schutz besonders gefährdeter Stellen
Diese Hilfsmittel ersetzen jedoch nicht den regelmäßigen Positionswechsel, sondern ergänzen ihn. Auch mit der besten Matratze ist Bewegung unverzichtbar.
Mobilisation als Ergänzung
Die beste Lagerung ist die Bewegung. Wann immer möglich, sollten Patienten mobilisiert werden. Schon kleine Bewegungsübungen im Bett, das Aufsetzen an die Bettkante oder kurze Transfers in den Sessel machen einen großen Unterschied. Sie fördern die Durchblutung, trainieren die Muskulatur und heben die Stimmung. Physiotherapeuten unterstützen dabei mit speziellen Übungen und Anleitungen. Auch pflegende Angehörige können nach entsprechender Einweisung viel zur Mobilisation beitragen. Jeder Schritt zurück zu mehr Beweglichkeit verbessert die Lebensqualität und reduziert das Risiko von Komplikationen.