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Logopädie bei kindlicher Dyspraxie

Wenn ein Kind Schwierigkeiten hat, Laute und Wörter zu bilden, obwohl es genau weiß, was es sagen möchte, kann eine verbale Entwicklungsdyspraxie die Ursache sein. Diese Störung betrifft die Planung und Koordination der Sprechbewegungen und stellt sowohl für betroffene Kinder als auch für ihre Familien eine große Herausforderung dar. Die Logopädie bietet hier spezialisierte Behandlungsmethoden, die Kindern helfen, ihre Sprechfähigkeiten schrittweise zu entwickeln und sich verständlich auszudrücken.

Was ist kindliche Dyspraxie?

Die verbale Entwicklungsdyspraxie ist eine motorische Sprechstörung, bei der die Planung und Ausführung von Sprechbewegungen beeinträchtigt ist. Das Kind weiß genau, was es sagen will, aber das Gehirn kann die entsprechenden Bewegungsabläufe für Lippen, Zunge und Kiefer nicht richtig koordinieren. Anders als bei Artikulationsstörungen, bei denen bestimmte Laute falsch gebildet werden, liegt bei der Dyspraxie das Problem auf einer übergeordneten Ebene der Bewegungssteuerung.

Diese Störung tritt relativ selten auf und betrifft etwa ein bis zwei von tausend Kindern. Jungen sind etwas häufiger betroffen als Mädchen. Die genauen Ursachen sind noch nicht vollständig geklärt, doch man geht von neurologischen Besonderheiten in der Sprechmotorikplanung aus. Wichtig zu wissen ist, dass die Dyspraxie nichts mit der Intelligenz des Kindes zu tun hat.

Betroffene Kinder fallen häufig schon früh auf. Sie brabbeln weniger als andere Babys und entwickeln ihre ersten Wörter später. Mit zunehmendem Alter werden die Schwierigkeiten oft deutlicher. Die Sprechversuche klingen angestrengt und sind für Außenstehende schwer zu verstehen. Viele Kinder suchen deshalb nach alternativen Wegen der Kommunikation, etwa durch Gestik oder Mimik.

Typische Anzeichen erkennen

Die Symptome einer verbalen Entwicklungsdyspraxie können unterschiedlich ausgeprägt sein. Folgende Merkmale sind typisch:

  • Inkonsistente Fehler bei der Lautbildung, die von Versuch zu Versuch variieren
  • Besondere Schwierigkeiten bei längeren Wörtern und komplexen Lautfolgen
  • Suchbewegungen mit Mund und Lippen vor dem Sprechen
  • Unterschiedliche Sprechqualität je nach Tagesverfassung
  • Auffällige Sprechmelodie und -rhythmus

Diese Anzeichen treten meist nicht isoliert auf, sondern in Kombination. Die Ausprägung kann dabei von leicht bis schwer reichen.

Logopädische Diagnostik und Therapieplanung

Die Diagnose einer verbalen Entwicklungsdyspraxie erfordert eine ausführliche logopädische Untersuchung. Der Logopäde beobachtet das Kind in verschiedenen Sprechsituationen und führt standardisierte Tests durch. Dabei wird besonders auf die Konsistenz der Fehler geachtet. Bei der Dyspraxie zeigt sich typischerweise, dass das gleiche Wort von Versuch zu Versuch unterschiedlich falsch ausgesprochen wird.

Auch die Beweglichkeit der Mundmotorik wird genau untersucht. Oft zeigen sich Schwierigkeiten nicht nur beim Sprechen, sondern auch bei anderen oralen Bewegungen. Der Logopäde prüft zudem, ob eventuell weitere Störungen vorliegen, etwa im Bereich der Sprachentwicklung oder der auditiven Wahrnehmung.

Auf Grundlage dieser Befunde wird ein individueller Therapieplan erstellt. Dieser orientiert sich an den spezifischen Schwierigkeiten des Kindes und berücksichtigt sein Alter sowie seine Gesamtentwicklung. Die Therapie wird regelmäßig überprüft und bei Bedarf angepasst.

Spezialisierte Therapieansätze

Die logopädische Behandlung der Dyspraxie unterscheidet sich deutlich von der Therapie anderer Sprechstörungen. Es geht nicht primär um einzelne Laute, sondern um die Planung und Koordination ganzer Bewegungsabläufe. Dabei kommen verschiedene spezialisierte Methoden zum Einsatz.

Ein bewährter Ansatz ist die PROMPT-Methode. Dabei gibt der Therapeut taktile Hinweise am Gesicht des Kindes, um die richtige Positionierung von Kiefer, Lippen und Zunge zu unterstützen. Diese äußeren Berührungsreize helfen dem Gehirn, die richtigen Bewegungsmuster zu entwickeln und abzuspeichern.

Auch die Nutzung des Rhythmus spielt eine wichtige Rolle. Viele Kinder profitieren davon, wenn Wörter und Silben rhythmisch gesprochen oder sogar gesungen werden. Der Rhythmus gibt eine zusätzliche Struktur vor und erleichtert die Bewegungsplanung. Ebenso werden visuelle Hilfen eingesetzt, etwa Handzeichen für bestimmte Laute oder Symbole für Silbenstrukturen.

Intensive Übungspraxis

Bei der Dyspraxie ist häufiges und intensives Üben besonders wichtig. Anders als bei manchen anderen Störungen reicht es nicht aus, einmal wöchentlich zur Therapie zu kommen. Die Bewegungsmuster müssen sich durch viele Wiederholungen im Gehirn einschleifen. Deshalb erhalten die Eltern konkrete Übungsanleitungen für zu Hause.

Diese Hausübungen sind speziell auf das Kind abgestimmt und sollten täglich durchgeführt werden. Wichtig dabei ist, dass die Übungen spielerisch gestaltet sind und dem Kind Freude bereiten. Zwang und Druck wären kontraproduktiv. Oft lassen sich die Übungen gut in Alltagssituationen einbinden, etwa beim gemeinsamen Singen oder Spielen.

Langfristige Perspektiven und Unterstützung

Die Therapie einer verbalen Entwicklungsdyspraxie ist oft langwierig und erfordert viel Geduld von allen Beteiligten. Erste Fortschritte zeigen sich meist nach einigen Monaten, doch bis zu einer verständlichen Spontansprache können Jahre vergehen. Die Prognose hängt vom Schweregrad der Störung und der Intensität der Behandlung ab.

Wichtig ist die enge Zusammenarbeit zwischen Logopäden, Eltern und anderen Bezugspersonen. Auch Kindergarten oder Schule sollten über die Störung informiert sein und das Kind entsprechend unterstützen. Manche Kinder benötigen zeitweise zusätzliche Kommunikationshilfen, etwa Bildkarten oder elektronische Hilfsmittel, um sich ausdrücken zu können.

Trotz der Herausforderungen ist die Prognose bei konsequenter Therapie gut. Die meisten Kinder entwickeln mit der Zeit eine verständliche Sprache und können am normalen Leben teilhaben. Der frühe Therapiebeginn und die regelmäßige Übung sind dabei die wichtigsten Erfolgsfaktoren. Eltern sollten wissen, dass jeder Fortschritt ein Erfolg ist und ihr Kind seine ganz eigene Entwicklungsgeschwindigkeit hat.