Verspannte Muskeln, hartnäckige Schmerzen im Nacken oder Rücken – viele Menschen kennen diese Beschwerden aus ihrem Alltag. Oft stecken myofasziale Triggerpunkte dahinter, also verhärtete Stellen in der Muskulatur, die Schmerzen verursachen können. Die myofasziale Triggerpunktbehandlung ist eine bewährte Therapieform, die gezielt an diesen schmerzenden Punkten ansetzt. Sie kann die Beschwerden deutlich lindern und die Beweglichkeit verbessern. Diese manuelle Behandlungsmethode wird von speziell ausgebildeten Physiotherapeuten durchgeführt und hat sich bei verschiedenen Schmerzbildern als wirkungsvoll erwiesen.
Was sind myofasziale Triggerpunkte?
Myofasziale Triggerpunkte sind kleine, verhärtete Bereiche in der Muskulatur, die bei Druck schmerzhaft sind. Der Begriff setzt sich aus „myo“ für Muskel und „faszial“ für Faszien zusammen. Faszien sind bindegewebige Strukturen, die Muskeln, Organe und andere Körpergewebe umhüllen und miteinander verbinden. Sie sorgen normalerweise für Stabilität und Beweglichkeit. Wenn sich Triggerpunkte bilden, verkürzen sich Muskelfasern an bestimmten Stellen und verhärten sich.
Das Besondere an Triggerpunkten ist, dass sie nicht nur an der betroffenen Stelle selbst schmerzen. Oft strahlen die Beschwerden in andere Körperregionen aus. Ein Triggerpunkt in der Schultermuskulatur kann beispielsweise Kopfschmerzen verursachen, ohne dass der Betroffene die eigentliche Schmerzquelle in der Schulter bemerkt. Diese übertragenen Schmerzen machen die Diagnose manchmal schwierig. Mediziner unterscheiden zwischen aktiven Triggerpunkten, die dauerhaft Beschwerden verursachen, und latenten Triggerpunkten, die nur bei Druck schmerzen.
Wie entstehen Triggerpunkte?
Die Entstehung myofszialer Triggerpunkte kann verschiedene Ursachen haben. Meist spielen mehrere Faktoren zusammen. Zu den häufigsten Auslösern gehören:
- Dauerhafte Fehlhaltungen, etwa durch langes Sitzen am Computer oder einseitige Belastung im Beruf
- Überlastung der Muskulatur durch Sport oder körperlich anstrengende Tätigkeiten
- Akute Verletzungen wie Zerrungen oder Prellungen
- Chronischer Stress, der zu einer dauerhaften Anspannung der Muskulatur führt
- Bewegungsmangel und zu wenig Ausgleich im Alltag
Wenn Muskeln über längere Zeit angespannt bleiben oder überfordert werden, verschlechtert sich die Durchblutung in den betroffenen Bereichen. Die Muskelzellen erhalten dadurch weniger Sauerstoff und Nährstoffe. Gleichzeitig werden Stoffwechselprodukte schlechter abtransportiert. Diese Mangelversorgung führt zu den charakteristischen Verhärtungen. Mit der Zeit können sich aus einzelnen Triggerpunkten ganze Schmerzmuster entwickeln, die verschiedene Muskelgruppen betreffen.
Die Triggerpunktbehandlung
Die myofasziale Triggerpunkttherapie zielt darauf ab, die verhärteten Muskelstellen zu lösen und die normale Muskelfunktion wiederherzustellen. Die Behandlung erfolgt in der Regel durch speziell ausgebildete Physiotherapeuten oder Ärzte mit entsprechender Zusatzqualifikation. Vor Beginn der Therapie steht eine gründliche Untersuchung, bei der die Triggerpunkte durch gezieltes Abtasten lokalisiert werden.
Manuelle Techniken
Der Kern der Behandlung besteht aus manuellen Techniken, bei denen der Therapeut gezielt Druck auf die Triggerpunkte ausübt. Die bekannteste Methode ist die ischämische Kompression. Dabei wird mit dem Daumen oder Ellenbogen für etwa 30 bis 90 Sekunden konstanter Druck auf den Triggerpunkt ausgeübt. Dieser Druck soll die Durchblutung kurzzeitig reduzieren und anschließend verstärkt wieder in Gang bringen. Das löst die Verhärtung und lindert den Schmerz.
Eine weitere wichtige Technik ist das Dehnen der betroffenen Muskulatur. Nach der Druckbehandlung werden die Muskeln sanft in die Länge gezogen. Diese Kombination aus Druck und Dehnung hat sich als besonders wirkungsvoll erwiesen. Viele Therapeuten arbeiten auch mit der „Spray-and-Stretch“-Methode, bei der die Haut über dem Triggerpunkt mit einem Kältespray gekühlt und der Muskel anschließend gedehnt wird.
Die Behandlung kann anfangs unangenehm sein. Viele Patienten beschreiben ein intensives Druckgefühl oder einen ziehenden Schmerz während der Therapie. Diese Empfindungen sind normal und lassen meist nach den ersten Sitzungen nach. Wichtig ist die offene Kommunikation zwischen Patient und Therapeut über die Schmerzintensität.
Ergänzende Behandlungsmethoden
Zusätzlich zu den manuellen Techniken kommen oft weitere Verfahren zum Einsatz. Die Wärmetherapie lockert die Muskulatur und bereitet sie auf die Behandlung vor. Auch Ultraschalltherapie oder Elektrotherapie können die Durchblutung fördern und die Heilung unterstützen. Manche Therapeuten setzen auf Akupunktur oder Dry Needling, bei dem dünne Nadeln direkt in die Triggerpunkte gestochen werden.
Ein wichtiger Bestandteil der Therapie ist das Eigenübungsprogramm. Patienten lernen Dehn- und Kräftigungsübungen, die sie zu Hause durchführen können. Auch die Anleitung zur Selbstmassage mit Hilfsmitteln wie Faszienrollen oder Bällen gehört oft dazu. Diese aktive Mitarbeit zwischen den Therapiesitzungen beschleunigt den Heilungsprozess deutlich.
Wann ist die Behandlung sinnvoll?
Die myofasziale Triggerpunkttherapie eignet sich für verschiedene Beschwerdebilder. Besonders häufig wird sie bei chronischen Nacken- und Rückenschmerzen eingesetzt. Auch bei Spannungskopfschmerzen, Schulterproblemen oder Schmerzen im unteren Rücken zeigt die Methode gute Erfolge. Sportler nutzen die Behandlung zur Regeneration nach Verletzungen oder bei Überlastungsbeschwerden.
Die Anzahl der benötigten Sitzungen hängt von der Schwere und Dauer der Beschwerden ab. Manchmal reichen wenige Behandlungen aus, in anderen Fällen ist eine längere Therapie über mehrere Wochen nötig. Wichtig ist die Geduld: Die Triggerpunkte haben sich oft über Monate oder Jahre entwickelt und brauchen Zeit, um sich zu lösen. Mit der richtigen Behandlung und konsequenter Mitarbeit lassen sich die Beschwerden jedoch in den meisten Fällen deutlich verbessern. Viele Patienten berichten von einer spürbaren Schmerzlinderung und einer besseren Beweglichkeit nach der Therapie.