Die Achillessehne ist die stärkste und dickste Sehne im menschlichen Körper. Sie verbindet die Wadenmuskulatur mit dem Fersenbein und überträgt bei jedem Schritt, Sprung oder Lauf enorme Kräfte. Genau diese Beanspruchung macht sie anfällig: Achillessehnenbeschwerden gehören zu den häufigsten Sehnenerkrankungen überhaupt und betreffen nicht nur Leistungssportler, sondern auch Freizeitläufer, Menschen mit sitzenden Berufen und ältere Personen, die ihre körperliche Aktivität neu begonnen haben. Das Typische daran ist, dass die Beschwerden sich schleichend entwickeln, oft zunächst mit einem morgendlichen Anlaufschmerz beginnen und ohne die richtige Behandlung chronisch werden können. Wer früh handelt, hat die besten Chancen auf vollständige Erholung.
Was hinter Achillessehnenbeschwerden steckt
Lange Zeit sprach man bei Achillessehnenproblemen pauschal von einer „Entzündung“. Dieses Bild hat die Forschung inzwischen deutlich differenziert. In den meisten Fällen liegt keine klassische Entzündungsreaktion vor, sondern eine sogenannte Tendinopathie: degenerative Veränderungen im Sehnengewebe, bei denen die normale Kollagenstruktur gestört ist und sich das Gewebe verändert hat. Der Begriff Tendinopathie hat den älteren Begriff Tendinitis deshalb weitgehend abgelöst.
Man unterscheidet zwei typische Lokalisationen: Bei der mittigen Tendinopathie schmerzt die Sehne etwa zwei bis sechs Zentimeter oberhalb des Fersenbeins, also im Bereich, wo die Sehne besonders anfällig für Überlastung ist. Bei der Insertionstendinopathie sitzt der Schmerz direkt am Ansatz der Sehne am Fersenbein, was die Behandlung etwas anspruchsvoller macht.
Zu den häufigen Risikofaktoren gehören:
- Plötzliche Zunahme von Trainingsbelastung oder -intensität, ohne ausreichend Zeit zur Anpassung
- Eingeschränkte Beweglichkeit im Sprunggelenk, die die Sehne bei jedem Schritt ungleichmäßig belastet
- Schwäche der Wadenmuskulatur oder der Hüftstabilisatoren, die die Last auf die Sehne erhöht
- Fußfehlstellungen wie Knick-Senkfuß oder Hohlfuß, die das Abrollverhalten verändern
- Systemische Faktoren wie Diabetes mellitus, die das Sehnengewebe direkt beeinflussen
- Bestimmte Antibiotika aus der Gruppe der Fluorchinolone, die das Risiko für Sehnenprobleme erhöhen
Die Rolle des gezielten Trainings in der Therapie
Das Wichtigste zuerst: Achillessehnenbeschwerden heilen durch Bewegung, nicht durch vollständige Ruhe. Das ist einer der zentralen Erkenntnisgewinne der vergangenen Jahre. Zwar sollten schmerzhaft provozierende Belastungen zunächst reduziert werden, aber komplette Schonung führt dazu, dass die Sehne weiter an Belastbarkeit verliert und die Genesung sich verzögert. Das Prinzip heißt „Belastungsmanagement“: Die Sehne wird systematisch und progressiv trainiert, um ihre Belastbarkeit schrittweise wieder aufzubauen.
Exzentrisches Krafttraining
Das exzentrische Wadenkrafttraining gilt als eine der am besten belegten Behandlungsmethoden bei Achillessehnentendinopathie. Dabei wird die Wadenmuskulatur beim kontrollierten Absenken der Ferse besonders beansprucht. Ein bewährtes Programm ist die sogenannte Fersenabsenkung an einer Treppenstufe: Man stellt sich auf die Zehenspitzen und senkt die Ferse dann langsam und kontrolliert unter das Niveau der Stufe ab. Diese Bewegung trainiert die Sehne gezielt unter Zugbelastung und regt den Umbau des Gewebes an. Das Programm wird in der Regel zweimal täglich über mehrere Wochen durchgeführt, wobei die Intensität und die Zusatzlast schrittweise gesteigert werden.
Wichtig ist dabei, dass die Übungen auch bei leichten Schmerzen fortgesetzt werden können, solange die Beschwerden während und nach dem Training nicht deutlich zunehmen. Dieser Ansatz unterscheidet sich von vielen anderen Therapiekonzepten und erfordert eine gute Aufklärung und Begleitung durch erfahrene Physiotherapeutinnen und Physiotherapeuten.
Manuelle Therapie und physikalische Maßnahmen
Ergänzend zum Krafttraining setzt die Physiotherapie auf manuelle Behandlungstechniken. Mobilisationen am Sprunggelenk verbessern die Beweglichkeit und schaffen bessere Voraussetzungen für ein gleichmäßiges Abrollverhalten. Faszientechniken und gezielte Dehnungen der Wadenmuskulatur helfen, die Gesamtspannung zu reduzieren, die auf die Sehne wirkt. Sanfte Dehnübungen, besonders morgens nach dem Aufstehen oder nach längeren Ruhephasen, lindern den typischen Anlaufschmerz.
Für hartnäckige Fälle hat sich die extrakorporale Stoßwellentherapie als wirksame Ergänzung erwiesen. Die Druckwellen verbessern die Durchblutung im betroffenen Gewebe, regen den Zellstoffwechsel an und können Schmerzsignale in der Sehne dämpfen. Nach mehreren Behandlungssitzungen berichten viele Patientinnen und Patienten von einer deutlichen Schmerzreduktion. Ultraschalltherapie und Lasertherapie werden ebenfalls eingesetzt, um den Heilungsprozess zu unterstützen.
Hilfsmittel und alltägliche Maßnahmen
Fersenkissen oder spezielle Einlagen können die Belastung auf die Achillessehne kurzfristig reduzieren und die akuten Schmerzen lindern. Besonders bei Fußfehlstellungen sind angepasste Einlagen sinnvoll, die das Abrollverhalten normalisieren und Fehlbelastungen korrigieren. Sie ersetzen jedoch nicht das gezielte Training der Sehne.
Das Schuhwerk spielt ebenfalls eine Rolle. Schuhe mit einer guten Dämpfung und einem ausreichenden Fersenpolster entlasten die Sehne, besonders in der frühen Therapiephase. Barfußlaufen sollte in dieser Zeit eher gemieden werden, da es die Sehne stärker beansprucht.
Mit einer konsequenten und individuell abgestimmten Therapie ist in den meisten Fällen eine vollständige Erholung möglich. Zu rechnen ist dabei mit einem Zeitrahmen von drei bis sechs Monaten, manchmal auch länger. Im Therapiezentrum Melias in Bad Kreuznach begleitet die Physiotherapie diesen Prozess von der Schmerzphase bis zur vollen Belastbarkeit, mit einem klaren Behandlungsplan, regelmäßiger Überprüfung des Fortschritts und einer engen Abstimmung zwischen Therapeuten und Patientinnen und Patienten.