Ein eingewachsener Zehennagel gehört zu den häufigsten Fußproblemen überhaupt. Was harmlos beginnt, nämlich ein leichtes Druckgefühl am Zeh oder eine kleine Rötung, kann sich ohne die richtige Behandlung zu einer ernsthaften Entzündung entwickeln, die jeden Schritt zur Qual macht. Medizinisch wird das Krankheitsbild als Unguis incarnatus bezeichnet. Betroffen ist in den meisten Fällen der große Zeh, weil dieser am stärksten dem Druck durch Schuhe ausgesetzt ist. Die gute Nachricht ist: Ein eingewachsener Zehennagel lässt sich in vielen Fällen gut behandeln, besonders dann, wenn man frühzeitig handelt.
Wie entsteht ein eingewachsener Zehennagel?
Eingewachsene Zehennägel entstehen, wenn der Nagelrand seitlich in das umliegende Weichgewebe hineinwächst und dort Druck erzeugt. Dieser Druck reizt die Haut, führt zu Schwellungen und kann eine Entzündung auslösen. Zu den häufigsten Ursachen gehören:
- Falsches Nagelschneiden: Wer die Nägel zu kurz oder zu rund schneidet, riskiert, dass die Nagelränder in die Haut einwachsen. Nägel sollten gerade und nicht zu kurz geschnitten werden.
- Zu enges Schuhwerk: Schuhe, die vorn zu schmal sind, drücken die Zehen zusammen und erhöhen den Druck auf den Nagelrand erheblich.
- Genetische Veranlagung: Manche Menschen haben von Natur aus stärker gewölbte oder eingerollte Nägel, sogenannte Rollnägel, und sind dadurch häufiger betroffen.
- Übermäßiges Schwitzen: Weiche, durchfeuchtete Haut gibt dem Nagel weniger Widerstand und begünstigt das Einwachsen.
Jugendliche und junge Erwachsene sind besonders häufig betroffen, da hormonelle Veränderungen das Nagelwachstum beeinflussen können. Auch ältere Menschen sowie Personen mit Diabetes oder Durchblutungsstörungen gehören zu den Risikogruppen. Bei Diabetikerinnen und Diabetikern ist besondere Vorsicht geboten, weil Wundheilungsstörungen auftreten können und selbst kleine Verletzungen am Fuß schnell zu größeren Problemen führen.
Wann sollte man zum Podologen?
Bei leichten Beschwerden ohne Entzündungszeichen kann zunächst eine konservative Behandlung versucht werden. Ein warmes Fußbad, eine antiseptische Salbe und das Vermeiden von engem Schuhwerk können erste Erleichterung bringen. Auch ein kleiner Schaumstoff- oder Silikonsteg zwischen den Zehen hilft, Druck vom betroffenen Bereich zu nehmen. Dennoch empfiehlt es sich, bei anhaltenden Beschwerden frühzeitig eine podologische Praxis aufzusuchen, denn was sich anfangs harmlos anfühlt, kann sich innerhalb weniger Tage verschlechtern. Spätestens bei folgenden Zeichen sollte man nicht länger warten:
- Deutliche Rötung, Schwellung oder Wärme rund um den Nagelrand
- Eiterbildung oder nässendes Gewebe
- Starke Schmerzen beim Gehen oder bei leichter Berührung
- Wiederkehrende Beschwerden trotz Selbstbehandlung
Für Menschen mit Diabetes oder Durchblutungsstörungen gilt: Niemals selbst am Nagel „herumschneiden“ und bei ersten Anzeichen sofort fachkundige Hilfe in Anspruch nehmen.
Behandlungsmöglichkeiten im Überblick
Die Podologie bietet heute ein breites Spektrum an Behandlungsoptionen. Welche Methode sinnvoll ist, hängt davon ab, wie weit der Nagel bereits eingewachsen ist und ob eine Entzündung besteht.
Konservative podologische Behandlung
In frühen Stadien reicht oft eine gezielte podologische Behandlung aus. Der Podologe oder die Podologin entlastet den betroffenen Nagelrand fachgerecht, entfernt das eingewachsene Nagelstück schonend und versorgt die Stelle antiseptisch. Häufig kommt dabei eine sogenannte Tamponade zum Einsatz: Ein steriler Kompressenstreifen wird vorsichtig zwischen Nagel und Haut eingelegt, hebt den Nagelrand leicht an und gibt dem Gewebe die Möglichkeit, sich zu erholen. Diese Methode ist sanft, schmerzarm und in vielen Fällen sehr wirksam.
Nagelspangenbehandlung
Die Nagelspangenbehandlung gilt als eine der wirksamsten konservativen Methoden. Eine individuell angepasste Spange aus biegsamem Draht oder Kunststoff wird am Nagel befestigt und übt einen sanften, kontinuierlichen Zug auf die Nagelränder aus. So wächst der Nagel schrittweise in seine natürliche Form zurück, weg von der Haut. Die Behandlung selbst dauert in der Regel zwischen 20 und 30 Minuten, danach kann man direkt wieder normal gehen. Da der Nagel Zeit braucht, um vollständig nachzuwachsen, sind mehrere Sitzungen über einige Monate nötig. Seit Juli 2022 ist die Nagelspangenbehandlung ein verordnungsfähiges Heilmittel, das unter bestimmten Voraussetzungen von der gesetzlichen Krankenversicherung übernommen wird.
Wann ist eine Operation nötig?
Wenn der Nagel bereits tief eingewachsen oder das Gewebe chronisch entzündet ist, kann ein chirurgischer Eingriff notwendig sein. Dabei wird ein Teil des Nagels oder in seltenen Fällen der gesamte Nagel entfernt, meist ambulant unter örtlicher Betäubung. Mit gezielter Nachsorge und richtiger Nagelpflege ist das Rückfallrisiko jedoch gering.
Vorbeugung: So schützt man sich
Mit ein paar einfachen Gewohnheiten lässt sich das Problem in vielen Fällen dauerhaft vermeiden. Nägel sollten gerade und auf angemessener Länge geschnitten werden, sodass die Nagelkante mit der Zehenspitze abschließt und die Ecken nicht zu kurz gerundet werden. Schuhe mit ausreichend Platz im Zehenbereich schonen den Nagelrand langfristig. Wer zu Rollnägeln neigt oder immer wieder mit eingewachsenen Nägeln zu kämpfen hat, profitiert von einer regelmäßigen podologischen Betreuung, die das Problem frühzeitig erkennt und behandelt, bevor es erneut eskaliert.
Im Therapiezentrum Melias in Bad Kreuznach bietet die podologische Abteilung eine fachkundige Beratung und Behandlung bei eingewachsenen Zehennägeln, individuell, schonend und auf den jeweiligen Befund abgestimmt.