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Dachs

Druckschutzmaßnahmen in der Podologie

Wer kennt das nicht: Ein Schuh drückt an einer Stelle, und schon nach kurzer Zeit rötet sich die Haut, es bildet sich eine Blase oder eine schmerzhafte Druckstelle? Für die meisten Menschen ist das ein vorübergehendes Ärgernis. Für Menschen mit Fußfehlstellungen, Diabetes oder eingeschränkter Durchblutung kann anhaltender Druck am Fuß jedoch schnell zu ernsthaften Problemen werden. Genau hier setzen Druckschutzmaßnahmen in der Podologie an. Sie schützen gefährdete Hautstellen, entlasten belastete Bereiche und helfen dabei, Folgeschäden zu verhindern, bevor sie überhaupt entstehen. Druckschutz ist damit weit mehr als ein Komfortelement, er ist ein wichtiger Baustein der medizinischen Fußversorgung.

Warum Druck am Fuß zum Problem wird

Druck und Reibung am Fuß entstehen immer dann, wenn Knochen, Gelenke oder Weichteile dauerhaft gegen eine äußere Fläche gedrückt werden, zum Beispiel durch enges Schuhwerk, ungünstige Gangmuster oder Fußfehlstellungen. Die Haut reagiert auf diesen anhaltenden Reiz mit Schutzreaktionen: Hornhaut baut sich auf, Schwielen entstehen, und bei zu starkem Druck bilden sich Hühneraugen oder schmerzhafte Druckstellen.

Dabei unterscheidet die Podologie grundsätzlich zwischen zwei Arten von Belastung, die verschiedene Maßnahmen erfordern. Der Druckschutz zielt darauf ab, den senkrecht wirkenden Druck auf ein Gewebe zu vermindern, indem die druckausübende Fläche vergrößert und das Gewicht gleichmäßiger verteilt wird. Er muss mindestens zwei bis drei Millimeter dick sein, um wirksam zu sein. Der Reibungsschutz hingegen soll die Wärmeentwicklung durch seitliche Bewegungen an der Haut verhindern und ist entsprechend dünner, zwischen einem und zwei Millimetern, und weich modelliert, damit er keine neuen Reizpunkte schafft.

Besonders gefährdet sind Menschen mit:

  • Fußfehlstellungen wie Hallux valgus, Hammer- oder Krallenzehen, bei denen knöcherne Vorsprünge dauerhaft gegen den Schuh drücken
  • Diabetes mellitus, weil eine diabetische Neuropathie das Schmerzempfinden reduziert und Druckstellen oft unbemerkt bleiben, bis ernsthafte Wunden entstanden sind
  • Durchblutungsstörungen, die die Wundheilung verlangsamen und das Risiko für tiefgehende Gewebeschäden erhöhen
  • Rheumatische Erkrankungen, bei denen Gelenke verändert sind und ungleichmäßige Druckverteilungen entstehen

Maßnahmen und Materialien im Überblick

Die Podologie verfügt über ein breites Spektrum an Druckschutzmaßnahmen, die je nach Befund, Lokalisation und Schwere der Beschwerden eingesetzt werden.

Konfektionierter Druckschutz aus Schaum und Silikon

Für schnelle Abhilfe bei akuten Druckstellen eignen sich vorgefertigte Hilfsmittel aus medizinischem Schaumstoff oder Silikon. Zehenspreizer trennen übereinanderliegende oder aneinanderreibende Zehen und verhindern Druckstellen in den Zehenzwischenräumen. Vorfußpolster entlasten den Bereich der Mittelfußköpfchen, der besonders beim Spreizfuß übermäßig belastet wird. Fersenschalen und Fersenpolster dämpfen den Aufpralldruck beim Gehen und schonen gereizte Stellen an der Ferse.

Diese vorgefertigten Hilfsmittel sind in verschiedenen Härtegraden und Größen erhältlich und bieten rasche Entlastung. Aus hygienischen Gründen sollten sie regelmäßig erneuert werden, da besonders Schaumstoffprodukte nach wenigen Tagen an Wirkung verlieren und Keime begünstigen können.

Maßgefertigte Silikon-Orthosen

Dort, wo konfektionierte Hilfsmittel an ihre Grenzen stoßen, kommen individuell gefertigte Silikon-Orthosen zum Einsatz. Sie werden direkt am Fuß der Patientin oder des Patienten modelliert und exakt auf die Problemstelle abgestimmt. Dafür wird ein Zweikomponenten-Silikon aus Form- und Härtermasse verwendet, das in verschiedenen Härtegraden erhältlich ist und sich innerhalb von wenigen Minuten zu einer formstabilen, dauerhaft elastischen Orthose aushärtet.

Die Vorteile gegenüber konfektionierten Produkten liegen auf der Hand: Die Orthose sitzt genau dort, wo sie gebraucht wird, lässt sich nach dem ersten Probetragen noch nacharbeiten und kann bei veränderten Fußbedingungen angepasst werden. Sie ist hautverträglich, leicht zu reinigen und lässt sich in fast jedem normalen Schuh tragen.

Typische Anwendungsformen sind:

  • Zehenzwischenkeil: Trennt überlagerte oder aneinanderdrückende Zehen, besonders bei Hallux valgus oder Zehenfehlstellungen. Mit einer gezielten Aussparung kann er empfindliche Stellen oder Hühneraugen direkt entlasten.
  • Ballenschale: Schützt den vorspringenden Großzehenballen bei Hallux valgus vor Druck und Reibung am Schuh.
  • Hammerzehenentlastungsorthose: Entlastet die Zehenspitze oder das gebeugte Mittelgelenk bei Hammer- oder Krallenzehen, die besonders häufig Druckstellen entwickeln.
  • Platzhalterorthose: Füllt den Raum nach einer Amputation aus und verhindert, dass benachbarte Zehen in die entstandene Lücke abweichen und selbst Fehlstellungen entwickeln.

Filz- und Schaumstoffzurichtungen in der Behandlung

Neben Silikon kommen in der Podologie auch Filze aus Wolle oder synthetischen Fasern sowie medizinische Schaumstoffe zum Einsatz. Sie lassen sich schnell zuschneiden und während der Behandlung passgenau formen, was sie besonders für kurzfristige Entlastungen nach dem Abtragen von Hühneraugen oder Schwielen geeignet macht. Nach der Behandlung können sie als übergangsweise Versorgung angelegt werden, bis eine dauerhafte Orthose angefertigt wird.

Druckschutz als Teil eines ganzheitlichen Konzepts

Druckschutzmaßnahmen lösen das zugrundeliegende Problem nicht alleine. Sie sind ein Teil eines ganzheitlichen Versorgungskonzepts, das immer auch die Ursache der Beschwerden im Blick hat. Falsches Schuhwerk muss ebenso angepasst werden wie eventuelle Einlagen, die die Druckverteilung auf dem gesamten Fuß verbessern. Bei ausgeprägten Fußfehlstellungen arbeitet die Podologie eng mit der Physiotherapie zusammen, um muskuläre Dysbalancen zu behandeln und das Gangbild zu verbessern.

Im Therapiezentrum Melias in Bad Kreuznach werden Druckschutzmaßnahmen individuell und auf höchstem fachlichem Niveau durchgeführt, immer abgestimmt auf den jeweiligen Befund und die persönlichen Bedürfnisse der Patientinnen und Patienten.