Rückenschmerzen, die trotz Ruhe nicht nachlassen, Verspannungen, die immer wieder an denselben Stellen auftauchen, oder Schmerzen, die in Schulter, Arm oder Bein ausstrahlen, obwohl der eigentliche Befund am Rücken liegt: Hinter vielen solcher Beschwerden stecken myofasziale Triggerpunkte. Sie gelten heute als eine der Hauptursachen für chronische Rückenschmerzen und werden gleichzeitig noch immer häufig übersehen oder fehlgedeutet. Dabei sind sie gut tastbar, gezielt behandelbar und in vielen Fällen der Schlüssel zu einer dauerhaften Beschwerdefreiheit. Wer die Zusammenhänge versteht, kann gezielter behandeln und langfristig wirksamer vorbeugen.
Was Triggerpunkte sind und wie sie entstehen
Ein myofaszialer Triggerpunkt ist eine lokal begrenzte, überreizbare Verhärtung innerhalb eines Muskels oder der ihn umgebenden Faszien. Er entsteht, wenn Muskelfasern durch Überlastung, traumatische Dehnung oder anhaltende Fehlbelastung in einen Dauerspasmus geraten. In diesem verkrampften Bereich ist die Durchblutung eingeschränkt, die Sauerstoffversorgung vermindert, und die Stoffwechselprodukte stauen sich an. Das Ergebnis ist ein tastbarer „Knoten“ im Muskelgewebe, der bei Druck typische Schmerzen auslöst und die Beweglichkeit des betroffenen Muskels spürbar einschränkt.
Was Triggerpunkte besonders heimtückisch macht, ist ihr Verhalten bei der Schmerzübertragung. Sie verursachen ihre Schmerzen häufig nicht dort, wo sie sitzen, sondern an weit entfernten Körperstellen. Ein Triggerpunkt in der Gesäßmuskulatur kann Schmerzen im unteren Rücken oder sogar im Bein auslösen. Ein Triggerpunkt zwischen den Schulterblättern kann Kopfschmerzen verursachen. Vier von fünf Patientinnen und Patienten spüren den Schmerz an einer anderen Stelle als dem eigentlichen Triggerpunkt. Das erklärt, warum myofasziale Ursachen von Rückenschmerzen so lange unerkannt bleiben können.
Typische Auslöser für Triggerpunkte im Rücken sind:
- Einseitige oder dauerhaft falsche Belastung, etwa langes Sitzen in vorgeneigter Haltung, repetitive Bewegungen im Beruf oder Schonhaltungen nach Verletzungen
- Akute Überlastungen wie das Heben schwerer Gegenstände oder abrupte Bewegungen
- Chronischer psychischer Stress, der zu dauerhafter Muskelspannung führt
- Kälte, Zugluft und Bewegungsmangel, die die Durchblutung der Rückenmuskulatur beeinträchtigen
Wie Triggerpunkte in der Physiotherapie behandelt werden
Die Behandlung myofaszialer Triggerpunkte im Rücken ist eine Spezialität der Physiotherapie. Sie erfordert genaue anatomische Kenntnisse, ein geschultes Tastgefühl und die Fähigkeit, aus dem individuellen Schmerzmuster auf die ursächlichen Triggerpunkte zu schließen. Erst wenn der Therapeut oder die Therapeutin den Triggerpunkt lokalisiert hat, beginnt die eigentliche Behandlung. Ein sorgfältiges Befundgespräch zu Beginn ist dabei unverzichtbar, weil die Schmerzgeschichte oft entscheidende Hinweise auf die Lokalisation der Triggerpunkte liefert.
Manuelle Druckbehandlung
Die am häufigsten eingesetzte Technik ist die gezielte manuelle Kompression des Triggerpunkts. Dabei wird mit einem oder mehreren Fingern anhaltender, dosierter Druck auf die Verhärtung ausgeübt. Dieser Druck löst zunächst den charakteristischen „Erkennungsschmerz“ aus, also genau jenen Schmerz, den der Patient aus seinem Alltag kennt. Nach einigen Sekunden bis einer Minute lässt die Spannung nach, die Durchblutung normalisiert sich, und der Muskel beginnt sich zu entspannen. Diese Technik wird auch als ischämische Kompression bezeichnet und gilt als sanfte, gut verträgliche Methode, die auch für empfindliche Patientinnen und Patienten geeignet ist.
Dry Needling
Eine wirksame, wenn auch etwas invasivere Methode ist das Dry Needling. Dabei wird eine dünne, sterile Akupunkturnadel direkt in den Triggerpunkt eingestochen. Häufig kommt es dabei zu einer kurzen, unwillkürlichen Zuckungsreaktion des Muskels, einem sogenannten Local Twitch Response, der als Zeichen dafür gilt, dass der Triggerpunkt korrekt getroffen wurde. Durch die Nadelung normalisiert sich die Sauerstoff- und Nährstoffversorgung im Gewebe, die Verhärtung löst sich auf, und der Schmerz klingt in vielen Fällen rasch ab. Die Bezeichnung „Dry“ bezieht sich darauf, dass keine Substanz injiziert wird, im Unterschied zu anderen Needling-Verfahren. Nach der Behandlung kann der Muskel vorübergehend etwas wund sein, was sich jedoch innerhalb von ein bis zwei Tagen legt.
Dehnung, Wärme und ergänzende Maßnahmen
Nach der eigentlichen Triggerpunktbehandlung ist gezielte Dehnung des betroffenen Muskels ein wichtiger Schritt, um den Effekt zu festigen und Rückfällen vorzubeugen. Wärmeanwendungen vor der Behandlung lockern die Muskulatur, verbessern die Tastbarkeit der Triggerpunkte und erhöhen die Wirksamkeit der anschließenden manuellen Techniken. Ergänzend kann Elektrotherapie die Durchblutung fördern und den Muskeltonus regulieren. Faszienrollen und gezielte Selbstmassage mit einem Tennisball oder Massageball helfen den Patientinnen und Patienten dabei, zwischen den Therapieterminen aktiv an ihrer Beschwerdefreiheit zu arbeiten.
Eigenübungen und Prävention
Eine dauerhafte Behandlung von Triggerpunkten bleibt wirkungslos, wenn die auslösenden Faktoren nicht verändert werden. Deshalb gehört zur vollständigen Therapie immer auch eine Analyse der Ursachen und eine Beratung zur Prävention. Wer lange sitzt, sollte regelmäßige Bewegungspausen einbauen, auf eine aufrechte Sitzposition achten und die Rückenmuskulatur gezielt kräftigen. Chronischer Stress, der sich häufig in der Nacken- und Rückenmuskulatur manifestiert, sollte durch Entspannungsverfahren aktiv abgebaut werden.
Ein strukturiertes Heimübungsprogramm mit Dehnübungen für die Rücken-, Gesäß- und Hüftmuskulatur sowie gezielten Kräftigungsübungen für die tiefe Rumpfmuskulatur ist der beste Schutz vor dem erneuten Entstehen von Triggerpunkten. Auch regelmäßige Bewegung im Alltag, ausreichend Schlaf und das bewusste Wahrnehmen von Verspannungssignalen des Körpers tragen wesentlich dazu bei, Triggerpunkte gar nicht erst entstehen zu lassen. Die Physiotherapeutinnen und Physiotherapeuten im Therapiezentrum Melias in Bad Kreuznach erstellen dieses Programm individuell, passen es regelmäßig an den Fortschritt an und begleiten die Patientinnen und Patienten bis zur dauerhaften Beschwerdefreiheit.