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Fußpflege bei Durchblutungsstörungen

Füße, die ständig kalt sind, blasse oder bläulich verfärbte Zehen, ein Kribbeln oder Taubheitsgefühl beim Gehen: Durchblutungsstörungen an den Füßen und Beinen sind häufiger als viele denken und werden im Alltag oft zu lange bagatellisiert. Dabei ist die Durchblutung das Fundament der Fußgesundheit. Ohne eine ausreichende Versorgung mit Sauerstoff und Nährstoffen heilen selbst kleine Verletzungen schlecht, die Haut wird trocken und rissig, und das Risiko für ernsthafte Wunden steigt erheblich. Fußpflege bei Durchblutungsstörungen ist deshalb keine Kleinigkeit, sondern eine medizinische Notwendigkeit, die ausschließlich in die Hände spezialisierter Podologinnen und Podologen gehört.

Was bei Durchblutungsstörungen an den Füßen passiert

Die häufigste Ursache für Durchblutungsstörungen an den Beinen und Füßen ist die periphere arterielle Verschlusskrankheit, kurz pAVK. Sie entsteht durch Arteriosklerose, also die Verhärtung und Verengung der Arterien, und tritt besonders häufig bei Menschen mit Diabetes mellitus, Bluthochdruck, erhöhten Blutfettwerten oder langjährigem Nikotinkonsum auf. Im Volksmund wird die pAVK auch als „Schaufensterkrankheit“ bezeichnet, weil die Betroffenen bei Belastung Schmerzen in den Waden bekommen und immer wieder stehenbleiben müssen, so als würden sie Schaufenster betrachten.

Was viele dabei nicht wissen: Die Auswirkungen der pAVK auf die Füße gehen weit über Schmerzen beim Gehen hinaus. Die verminderte Blutversorgung macht die Haut dünn, trocken und empfindlich. Die Nägel wachsen langsamer, werden dicker und brüchiger. Die Wundheilung ist erheblich verlangsamt, weil das Gewebe nicht ausreichend mit Sauerstoff und Abwehrzellen versorgt wird. Schon eine kleine Druckstelle oder ein winziger Einriss kann sich unter diesen Bedingungen zu einer chronischen Wunde entwickeln, die über Wochen oder Monate nicht abheilt und im schlimmsten Fall zu einer Amputation führt.

Besonders gefährlich ist die Kombination aus pAVK und Polyneuropathie, also einer gleichzeitigen Nervenschädigung. Wer beides hat, bemerkt Verletzungen oder Druckstellen oft gar nicht, weil das Schmerzempfinden fehlt, und gleichzeitig heilen diese Stellen durch die schlechte Durchblutung besonders schlecht. Diese Kombination tritt häufig bei Diabetes auf und erklärt, warum diabetisch bedingte Amputationen in Deutschland so häufig sind.

Warum Selbstpflege bei Durchblutungsstörungen gefährlich ist

Wer unter Durchblutungsstörungen leidet, sollte auf Eigenbehandlungen an den Füßen grundsätzlich verzichten. Das klingt übertrieben, ist aber medizinisch begründet. Die Haut an den Füßen ist bei schlechter Durchblutung so empfindlich, dass selbst kleine Verletzungen durch unvorsichtiges Nagelschneiden, zu hartes Abtragen von Hornhaut oder das Drücken eines engen Schuhs zu schwerwiegenden Komplikationen führen können.

Konkret sollte bei Durchblutungsstörungen an den Füßen Folgendes unbedingt vermieden werden:

  • Nägel mit scharfen Scheren oder Nagelknipsern schneiden, da Mikroverletzungen entstehen können, die sich entzünden
  • Hornhaut mit rauen Feilen oder Hobeln abtragen, da dies die ohnehin dünne Haut verletzt
  • Heiße Fußbäder oder Wärmeflaschen verwenden, da das Wärmeempfinden eingeschränkt sein kann und Verbrennungen entstehen können
  • Barfußlaufen außerhalb der eigenen Wohnung, da Verletzungen nicht rechtzeitig bemerkt werden
  • Enge oder harte Schuhe tragen, die Druckstellen erzeugen

Was die Podologie bei Durchblutungsstörungen leistet

Die podologische Behandlung bei Durchblutungsstörungen ist eine spezialisierte medizinische Versorgung, die weit über die gewöhnliche Fußpflege hinausgeht.

Sorgfältige Inspektion und Dokumentation

Bei jedem Termin werden beide Füße systematisch auf Veränderungen untersucht. Hautfarbe, Hauttemperatur, Nagelzustand, Druckstellen, Rötungen, Risse und jegliche Art von Wunden werden genau dokumentiert. Diese Dokumentation ist entscheidend, um Veränderungen im Verlauf zu erkennen und frühzeitig auf Verschlechterungen reagieren zu können. Bei auffälligen Befunden erfolgt die sofortige Rücksprache mit dem behandelnden Arzt.

Schonende Nagel- und Hautpflege

Die Nägel werden ausschließlich mit speziellen Fräsern bearbeitet, nie mit scharfen Instrumenten. Verdickte, brüchige Nägel werden schonend abgeschliffen, gerade und auf angemessener Länge gehalten. Auf eingewachsene Nagelränder wird besonders geachtet, weil diese bei Durchblutungsstörungen schnell zu ernsthaften Entzündungen führen können. Die Hornhaut wird, wo nötig, behutsam abgetragen, aber niemals zu aggressiv, damit die schützende Hautschicht erhalten bleibt. Risse, Schrunden und trockene Stellen werden mit geeigneten Pflegepräparaten versorgt, die die Haut geschmeidig halten und neue Rissbildung verhindern.

Druckentlastung und Schuhberatung

Druckstellen sind bei Menschen mit Durchblutungsstörungen besonders gefährlich, weil sie sich schnell zu offenen Wunden entwickeln können. Die Podologie setzt gezielt druckentlastende Hilfsmittel ein: weiche Silikonorthosen, individuelle Einlagen aus Weichbettungsmaterial und Druckschutzpolster, die belastete Stellen entlasten und die Druckverteilung auf dem Fuß verbessern. Ergänzend dazu ist eine kompetente Schuhberatung unverzichtbar. Schuhe mit ausreichend Platz, weichem Innenmaterial ohne harte Nähte und guter Dämpfung schützen die empfindlichen Füße langfristig vor mechanischen Reizen.

Verordnung und Behandlungsrhythmus

Menschen mit Durchblutungsstörungen, die zu Fußproblemen führen, haben unter bestimmten Voraussetzungen Anspruch auf podologische Behandlung auf ärztliche Verordnung. Seit der Erweiterung der Verordnungsfähigkeit durch den Gemeinsamen Bundesausschuss im Jahr 2020 können podologische Leistungen nicht mehr nur bei Diabetes, sondern bei allen Erkrankungen verordnet werden, die mit vergleichbaren Sensibilitäts- oder Durchblutungsstörungen einhergehen. Eine Rücksprache mit dem Hausarzt klärt, ob eine Verordnung im Einzelfall möglich ist.

In der Regel empfiehlt sich bei Durchblutungsstörungen ein Behandlungsabstand von vier bis sechs Wochen. Das kann je nach Schwere des Befundes und individuellem Fußzustand variieren. Im Therapiezentrum Melias in Bad Kreuznach betreut die Podologie Patientinnen und Patienten mit Durchblutungsstörungen mit der gebotenen Sorgfalt und Fachkenntnis, immer in enger Abstimmung mit den behandelnden Ärztinnen und Ärzten.