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Podologische Versorgung nach Amputation

Eine Amputation am Fuß oder an den Zehen ist für die betroffenen Menschen ein einschneidendes Erlebnis, das das gesamte Leben verändert. Der Verlust auch nur einer Zehe verändert die Biomechanik des Fußes grundlegend, verlagert Druckpunkte, verändert das Gangbild und erhöht das Risiko für neue Druckstellen und Wunden am verbliebenen Restfuß erheblich. Genau deshalb endet die medizinische Fußversorgung nach einer Amputation nicht im Operationssaal, sondern beginnt dort in gewisser Weise erst richtig. Die Podologie übernimmt in dieser Phase eine zentrale Rolle: Sie schützt den Restfuß, begleitet die Rehabilitation und arbeitet eng mit Ärzten, Orthopädietechnikern und Physiotherapeuten zusammen, um weitere Folgeeingriffe zu verhindern.

Warum der Restfuß besondere Aufmerksamkeit braucht

Nach einer Amputation trägt der verbliebene Teil des Fußes die gesamte Last, die zuvor auf einer größeren Fläche verteilt war. Bei einer Zehenamputation etwa weichen die benachbarten Zehen mit der Zeit in die entstandene Lücke ab und können dabei selbst Fehlstellungen entwickeln. Die Stumpfkuppe, also das Ende des amputierten Bereichs, ist oft besonders druckempfindlich und anfällig für Verletzungen, da die Haut dort dünner ist und die natürliche Polsterung fehlt.

Noch größer ist das Risiko bei Menschen, deren Amputation auf ein diabetisches Fußsyndrom zurückgeht, was laut der Deutschen Diabetes Gesellschaft auf etwa zwei Drittel aller Amputationen in Deutschland zutrifft. Bei ihnen liegt häufig eine Kombination aus Nervenschädigung und Durchblutungsstörung vor. Das bedeutet: Neue Druckstellen oder Wunden am Restfuß werden nicht rechtzeitig gespürt, und gleichzeitig heilen sie schlechter. Ohne konsequente podologische Nachsorge besteht ein hohes Risiko für weitere Amputationen auf immer höherem Niveau.

Zu den häufigsten Problemen am Restfuß nach einer Amputation gehören:

  • Übermäßige Hornhautbildung und Schwielen an den neu belasteten Stellen, weil der Fuß Druckstellen durch vermehrte Verhornung zu schützen versucht
  • Druckstellen und Wunden an der Stumpfkuppe, besonders beim Tragen von schlecht angepasstem Schuhwerk
  • Nagelveränderungen an den verbliebenen Zehen, die durch veränderte Druckverhältnisse begünstigt werden
  • Fehlstellungen benachbarter Zehen, die in die Amputationslücke driften und ihrerseits neue Probleme entwickeln

Was die Podologie nach einer Amputation leistet

Die podologische Versorgung nach einer Amputation ist weit mehr als regelmäßige Nagelpflege. Sie ist ein kontinuierlicher Überwachungs- und Behandlungsprozess, der darauf abzielt, den Restfuß in einem möglichst guten Zustand zu halten und Komplikationen frühzeitig zu erkennen.

Regelmäßige Inspektion und Befunddokumentation

Bei jedem podologischen Termin wird der Restfuß systematisch untersucht. Rötungen, Druckstellen, Hautveränderungen, Nagelbeschaffenheit und Wundheilungszeichen werden genau dokumentiert, um Veränderungen im Verlauf sicher erkennen zu können. Gerade bei Menschen mit eingeschränktem Tastempfinden ist diese externe Kontrolle von unschätzbarem Wert, weil sie selbst Veränderungen nicht wahrnehmen. Die Dokumentation ermöglicht außerdem eine lückenlose Kommunikation mit den behandelnden Ärzten.

Hornhautabtragung und Druckentlastung

An den durch die veränderte Biomechanik überlasteten Stellen bildet sich besonders schnell Hornhaut. Diese muss regelmäßig und schonend mit dem Fräser abgetragen werden, da zu dicke Hornhautschichten ihrerseits Druckstellen und Wunden begünstigen. Gleichzeitig werden druckentlastende Hilfsmittel eingesetzt, die die Stumpfkuppe und die neu belasteten Bereiche schützen. Silikon-Orthosen, weiche Druckschutzpolster und individuell angepasste Einlagen aus speziellen Weichbettungsmaterialien übernehmen dabei die Aufgabe, den Druck auf den verbleibenden Fuß gleichmäßig zu verteilen und besonders gefährdete Stellen gezielt zu entlasten.

Platzhalterorthosen und Silikonprothesen

Eine spezielle Aufgabe der Podologie nach Zehenamputationen ist die Anfertigung von Platzhalterorthosen. Diese werden aus hautverträglichem Silikon individuell modelliert und füllen den Raum der amputierten Zehe aus. Sie erfüllen dabei mehrere wichtige Funktionen gleichzeitig: Sie verhindern, dass benachbarte Zehen in die Lücke abweichen und Fehlstellungen entwickeln. Sie verteilen den Druck beim Abroll- und Abstoßvorgang gleichmäßiger. Und sie verbessern das Gangbild, indem sie den natürlichen Hebel beim Gehen teilweise wiederherstellen. Bei größeren Amputationen, etwa nach Vorfußamputationen, können funktionelle Silikonprothesen in Zusammenarbeit mit dem Orthopädieschuhtechniker angefertigt werden, die kosmetisch ansprechend sind und gleichzeitig biomechanische Aufgaben übernehmen.

Schuhversorgung als Grundlage des Schutzes

Kein podologisches Hilfsmittel kann seine Wirkung voll entfalten, wenn das Schuhwerk nicht stimmt. Nach einer Amputation im Fußbereich ist eine sorgfältige Schuhversorgung unverzichtbar. Bei Zehenamputationen sind in der Regel Schutzschuhe mit diabetesadaptierter Weichbettungseinlage ausreichend. Bei ausgedehnteren Amputationen können orthopädische Maßschuhe mit Sohlenversteifung, spezieller Abrollhilfe und entsprechend geformtem Vorfußersatz notwendig sein. Die podologische Praxis berät dabei und vermittelt bei Bedarf den Kontakt zum Orthopädieschuhtechniker.

Wichtig zu wissen ist, dass nach einer Fußamputation auf ärztliche Verordnung Anspruch auf podologische Behandlung bestehen kann. Seit einer Erweiterung der Verordnungsfähigkeit durch den Gemeinsamen Bundesausschuss im Jahr 2020 können podologische Leistungen nicht nur bei Diabetes, sondern bei allen Erkrankungen verordnet werden, die mit vergleichbaren Sensibilitäts- und Durchblutungsstörungen einhergehen.

Im Therapiezentrum Melias in Bad Kreuznach bietet die Podologie eine umfassende Nachsorge nach Amputationen im Fußbereich, in enger Abstimmung mit den behandelnden Ärzten und weiteren Fachbereichen des Hauses, individuell abgestimmt und mit dem klaren Ziel, weitere Folgeeingriffe zu verhindern.